Sonntag, 12. Februar 2017

Über die Trauerarbeit.

Manchmal klappt es prima, es läuft und du steigst eine Stufe nach der anderen hoch, hast Halt und festen Boden unter den Füßen. Dann fängt es an zu regnen, oder gar zu gefrieren, du rutschst aus und schwupps bist du wieder 18 Treppenstufen weiter unten, mit offenen Knien und einem gebrochenen Herzen. Wie oft das passiert? Äh mehrmals monatlich?? Zur Zeit zumindest. Und da bist du manchmal gewillt einfach zu resignieren. Was bringt es immer mühsam nach oben zu klettern um dann doch wieder auf die Nase zu fallen. So fühlte ich mich etwa nach jeder Behandlung je mehr Behandlungen es wurden. Du gibst irgendwann die Hoffnung auf. Aber hier, kannst du ja nicht einfach aufgeben, man muss ja schon irgendwie vorwärts gehen. Es steht nicht immer jemand da, der dich ein bisschen mit der Peitsche antreibt. 

Letztens, als es mich wieder gefühlt 100 Stufen nach unten katapultiere, saß ich einen Tag lang einfach da auf meiner Stufe. Hielt die Augen fest zu und hielt es aus. Und genau das ist es, was alles fordert. Dieses aushalten. Das war so schwer. Es auszuhalten, weil es einfach unser neuer Weg ist. Was ist das für ein Weg, der so holpert. Ich dachte immer das schlimmste hätten wir hinter uns. Vom erlebten her ist das bestimmt auch so. Aber das die Sache mit dem Abschied ist doch zäher als ich gedacht hatte. Dieser Abschied beinhaltet einfach so viel. Ein Großteil davon ist noch immer auch der Abschied vom kleinen Wünschepunkt. Eine liebe Freundin hat mir neulich geschrieben, dass ich erstens zuviel von mir erwarte und zweitens mehr Verständnis für mich selber haben soll. Und sie hat recht. Wie konnte ich erwarten, dass zwei Jahre nach unserem persönlichen Weltuntergang und ein paar Monate nach dem wir uns entschieden haben, dass es hier für uns zu Ende ist, dass es da einfach plopp macht und das schöne Leben für uns anfängt. Ich hatte es irgendwie erwartet....weil es gut lief. Weil ich freie Zeit genießen kann, weil ich es schätze, den Druck los zu sein, der mit der Kinderwunschbehandlung auf uns saß wie ein Rucksack voller Steine. Krass...echt jetzt ich hatte es wirklich von mir erwartet. 

Und so habe ich ein wenig mehr Verständnis für mich selber und hinterfrage diese Tage nicht mehr. Ich lass sie einfach sein wie sie sind. Traurig und schwer. Und wenn es mehrere Tage sind, dann sind es eben mehrere. Sie gehen vorbei. Die Trauer über den Verlust geht nie wieder vorbei, aber ich werde wohl lernen mit ihr leben...


Time doesn't heal all wounds. It just puts more space between the times you remember the events that gave you these wounds. There are some hurts that never stop hurting, no matter how faded the scars. 

(gefunden hier.)

Kommentare:

  1. Ich verstehe dich so gut. Hier waren vor ein paar Tagen auch sehr dunkle Tage und ich war doch sehr entsetzt wie anstregend diese Tage für mich waren. Ich hatte die Hoffnung das die nur noch ganz selten kommen aber so ist es nicht. Momentan kommen sie bei mir wieder öfters und es nervt mich sehr da ich auch eher dachte das diese dunklen Stunden und Tage ganz ganz selten kommen und ich jetzt einfach das "Leben" wieder aufnehme und genießen kann, nachdem Ende der Kiwu-Behandlungen. Das was die letzten Jahre einfach so sehr zu kurz kam. Aber nö...das ist leider nicht so einfach. :/

    Ich bin so froh das ich auf dich gestoßen bin. Und du auch in dieser Situation bist und ich da nicht alleine stehe und nicht weiß wohin damit. Natürlich wünscht man dies niemanden aber es hilft Gleichgesinnte zu hören/lesen.

    Der Abschnitt mit dem "die Tage sein lassen wie sie sind" liest sich nach einem guten Tipp und nehme ich mir ganz fest vor. In meinem Umkreis ist gerade wieder mal ganz fleißig das große verkünden der Schwangerschaft oder Geburt. Und das macht es momentan nochmal so viel schwerer für mich. :/

    ��
    LG Flora

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    1. Liebe Flora,
      wir sind nicht allein. Auch wenn es diesmal anders ist, wenn man sich hier findet. Man hat nicht zahlreiche Blogs in seiner Blogroll, von Frauen denen es gerade gleich geht. Man muss schon sehr suchen und viele gibt es nicht. Zumindest nicht viele, die darüber schreiben wollen...daher sind die einzelnen Kontakte hier für mich besonders wertvoll.

      Fühl dich feste umarmt in deiner gerade auch so schweren Zeit ♥ bist echt nicht allein...ich bin auf jeden Fall schon mal hier ;)

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  2. Liebe Wünschi... zuerst kommt eine ganz liebe Umarmung von mir zu dir auf die Treppe...
    Ja, aushalten ist etwas vom Schwierigsten. Darum herum kommen wir leider nicht. Jedenfalls nicht in unserem Abschied.
    Ich bin stolz auf dich und dein Verständnis für dich selbst. Das durfte auch ich in meinem Abschied lernen. Oft ist das, was wir wollen, und das was wir können, eben sehr verschieden. Wir möchten gerne funktionieren wie immer, möchten gerne nach vorne schauen und das beste aus dem machen, was ist, aber... es geht vielleicht gerade nicht. Geht.schlicht.nicht. Mich genau in dem drin anzunehmen war ein rechter Brocken für mich.
    Es braucht alles Zeit. Mehr, als uns vielleicht in dem Moment lieb ist. Aber die Trauer heilt uns. Dich auch. Und du machst das gut, auch wenn du es im Moment vielleicht nicht denkst.♥

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    1. Danke Elaine, du bist lieb ♥
      Mich annehmen, das ist tatsächlich ein harter Brocken, und dann auch noch so stehen lassen, dass die anderen mich gerade auch so annehmen müssen, weil ich es gerade nicht ändern kann, das ist auch schwer.
      Ich hoffe und wünsche so sehr, dass alles heilt. Und dass irgendwann vielleicht alles wieder gut ist...
      Weißt du deine Worte sind immer ein bisschen wie Balsam...wie machst du das nur? ♥

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  3. Liebe Wünschi... fühl dich ganz fest umarmt von mir.
    Ich möchte dir sagen, dass ich es ganz toll finde, wie du da machst. Gerade aktuell ist es ja eine schwierige Zeit für dich. Sehr verständlich. Mich frustieren diese Abstürze auch immer sehr. Man denkt, dass man endlich mal einen Schritt weiter ist.... und schwups... wird man wieder auf dem Boden der Tatsachen gebracht..... und es fühlt sich so an, als wäre alles umsonst gewesen. Es gehört dazu, möchte ich dir sagen. Das weist du ja, deshalb "erlaubst" du dir ja auch, dann einfach mal Sitzen zu bleiben und Durchzuatmen. Ja einfach Atmen. Ich habe das mal irgendwann gelesen: Einfach weiteratmen.... mir hilft diese Vorstellung manchmal in diesen traurigen Momenten.
    Wie schon so oft geschrieben: Ich bin da! Und lass uns den Weg ein wenig gemeinsam gehen. Alles Liebe. Bluete83

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    1. Du Liebe ♥
      mir kamen die Worte auch in den Sinn, als ich oben geschrieben habe: einfach weiteratmen...und in gewisser Weise hilft es tatsächlich, wie die berühmte Tüte beim hyperventilieren. Weil diese Momente dir die Luft zum Atmen nehmen, weil alles so unendlich schwer auf deinem Herzen lastet, dass dir buchstäblich manchmal die Luft weg bleibt. Also...lass uns weiteratmen...
      Danke dass du mit mir gehst ♥

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  4. Hallo meine Liebe,
    Dein ehrlicher Text hat mich tief berührt. Auch wenn sich der Tag an dem wir erfahren habe, dass wir wohl nie Eltern werden, in wenigen Tagen zum achten Mal jährt und ich/wir wirklich viel gemacht haben in Sachen Trauerarbeit, so gibt es diese tieftraurigen Tage immer noch. Sie kommen immer unerwartet. Ausgelöst durch scheinbare Kleinigkeiten. Es werden weniger, aber ganz hören sie wohl nie auf.
    Ich wünsche dir von ganzem Herzen viel Kraft für diese schwere Zeit des Abschieds. Wie deine Freundin ganz richtig gesagt hat, es braucht seine Zeit. Nimm sie dir! Es gibt keinen anderen Weg.
    Ganz liebe Grüße
    Margret

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    1. Liebe Margret, ich danke dir für deine lieben warmen Worte. Es bedeutet mir immer viel, wenn jemand da ist, der schon mal da war wo ich war ♥ Ich schicke dir eine liebe Umarmung!

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