Mittwoch, 19. Oktober 2016

Gefühlspurzelbäume.

Momentan kämpfe ich mit allerlei Gefühlen auf dem Weg ins Wonderland. Mit recht unschönen Gefühlen. Da ist die altbekannte Wut. Wut über die eigene Situation, über die Tatsache, dass man wütend ist, ist man wütend. Man wirft mit bösen Kommentaren um sich, der Lieblingsmann muss mich so oft bremsen, weil ich sonst vermutlich in freier Fahrt direkt in der Hölle landen würde. 
Da ist Neid. Neid ist etwas so häßliches und doch begegnen mir viele Situationen, in denen ich sage: ich bin absolut neidisch auf das alles. Neid hinterfragt nicht, Neid sieht nur das was jeder sieht. Neid macht leider auch blind für alles andere. Neid macht wiederum wütend...ein Teufelskreis. Neid ist etwas, das glaube ich die wenigsten zugeben. Weil es häßlich ist. Auch wenn wir sagen: neiiiiiiiiiin. Also nein Neid, das gibt es bei mir nicht...wir gönnen es ja jedem und wir freuen uns für alle auf der ganzen weiten bunten Welt. Ladies? Ich will mich nicht in Schutz nehmen, ich will einfach ehrlich sein. Mut zur Häßlichkeit sozusagen ;) Warum sind wir neidisch? Ich für meinen Teil: Weil wir so viel aufgegeben haben. Weil die ganze Welt Kindergeburtstag feiert. Weil das was wir erleben von außenstehenden wenig gebührend gesehen wird. Es löst sich auf im Nichts. Man steht im Hintergrund und ist allein mit dem Flieder, den Windspielen oder dem süßen Herzbetonstein. Die meisten wissen nicht mal, was diese Zeichen im Garten bedeuten. 

Vom häßlichen Nein zum Selbstmitleid. Dafür könnte man sich ja auch...aber gut. Es ist nun eben da. An Tagen wie heute noch viel mehr. Weil es so unfassbar ungerecht ist, dass der Platz in unserer Mitte leer ist. Weil es doppelt weh tut, dass Eltern die Geburtstage ihrer Kinder feiern. Hier wird nichts gefeiert, hier gibt es maximal Gedenktage, an denen ich nicht mal im Bett liegen bleiben kann. Trauer wird wenig thematisiert. Wenig von all dem was wir erlebt haben wird thematisiert. Und dabei tue ich mir fürchterlich leid. Weil es nicht nichts war. Es war eine ganze Menge. Und es ist keine Geschichte, unter die man einfach einen Haken setzen kann um eine neue beginnen zu können.  

Angst spielt auch immer eine Rolle auf unserem Weg. Man hat Angst vor so vielem. Zur Zeit plagt mich eher die Angst vor dem Verlieren. Da sind Freundschaften, die sich verändern. Leben die sich verändern. Es tut weh, wenn man nicht Schritt halten kann. Wenn man ein ganzes Stück auf auf dem Weg zurückbleibt und der andere es vielleicht gar nicht bemerkt? Verlustangst ist da schon ein ganz großes Thema. Die liebe Eni hat mir da mit ihrem Post ganz gut getan. Weil es mich beschäftigt. Freundschaften kommen, gehen, müssen gegebenenfalls auf ein anderes Level verlegt werden. Eine meiner ganz alten Freundschaften hat sich verändert. Wahrscheinlich nicht von heut auf morgen, aber in diesem Jahr. Ich muss einsehen, dass ich ihren Weg gerade nicht mehr mitgehen kann...und trotzdem habe ich Angst, dass unsere Wege sich zu weit voneinander entfernen. Dass wir uns vielleicht irgendwann fremd werden, dass es nie wieder so wird wie es mal war. Dabei ist es normal wenn sich etwas verändert und nicht so bleibt wie es ist. Denn das ist das Leben. Man hält aber doch an Gewohntem fest und kann schlecht loslassen und doch muss ich lernen darauf zu vertrauen. Vielleicht entfernt man sich ein Stück, aber das heißt nicht, dass man nicht wieder zueinander finden kann...

Aber auch ich habe mich ja verändert, ich bin auch nicht mehr die, die ich mal war. Durch meine Veränderung im Leben habe ich wieder neue wertvolle Menschen getroffen, die mir zur Seite stehen und für die ich so dankbar bin. Ich habe also nicht nur verloren sondern auch dazu gewonnen. 

Die Welle der Gefühle ebbt auch wieder ab, das weiß ich, ich mach das ja schon lang genug mit. Dann kommt wieder der normale Flow. Die Welle kommt immer, wenn Ausnahmezustandstage in Sicht sind, wenn einen das Thema mehr einholt als einem lieb ist. Wenn man verbissen in eine Richtung blickt oder gar zurück schaut, statt nach vorne. 

Dabei lohnt es sich nach vorne zu schauen, denn dann sieht man Dinge wie den hübschen Flieder, eine Laune der Natur und doch ein Zeichen, man sieht das Blau des Himmels, man schätzt das Lächeln der Sonne, den Zauber der Jahreszeit...man erkennt sie die kleinen Wunder, die man in der Gefühlswelle eben nicht sieht. 
Und man sieht, dass zwar nicht die Welt, dafür aber die Herzmenschen unseren Zustand sehen, einen Moment mit uns inne halten und fest an unserer Seite stehen ♥

Kommentare:

  1. Liebe, liebe Wünschi ♥
    Mir stehen Tränen in den Augen vom Lesen. Danke für deine Offenheit. Ich sehe dich, und ich höre dich. Nein, es ist und war nicht "nichts". Da ist ganz viel, da sind Träume, Jahre des Kinderwunsches, die lange, lange Hoffnung, da ist die Liebe und ein ungelebtes Leben als Mutter, als Eltern... und da ist die Trauer.
    Wut und Neid gehören zur Trauer. Auch ich bin bestens mit ihnen vertraut. Sie sind weniger gesehene Gäste, auch bei mir. Die Wut über die Wut... ja genau. Da kann ich nur eifrig nicken. Die Wut über sich selbst, die Ohnmacht, weil man nun mal so fühlt, obwohl man nicht so fühlen WILL... aber es ist okay. Du bist nicht verkehrt. Wir dürfen so fühlen. Das ist kein Verbrechen. Die Trauer, der Schmerz und all ihre Begleiter wollen gefühlt sein. Und dann gehen sie auch wieder, oder sie lockern zumindest ein wenig ihren Griff... und wir versöhnen uns mit ihnen, merken, dass sie ihre Berechtigung haben, uns heilen. Und dann versöhnen wir uns auch wieder mit uns selbst.
    Du machst das gut ♥. Hab keine Angst: die Herzensfreunde bleiben. Und an die Stelle aller anderen werden neue liebe Menschen treten.
    Es ist nicht das Ende. Es geht vorbei.
    Eine liebe Umarmung!

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    1. Liebe Elaine,
      ich möchte dir nur kurz sagen, dass ich deine Worte immer wieder als sehr tröstend empfinde. Zu lesen, wie es jemanden geht, der schon weiter auf dem Weg ist... zu lesen, dass man wirklich heilen kann... das gibt Kraft. Danke. Bluete83

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    2. Ich kann mich meine lieben Bluete83 nur anschließen. Du bist einfach tröstend, du findest gerade die richtigen Worte, von ganzem Herzen danke dafür ♥

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    3. Liebe Blüte, liebe Wünschi, danke für eure lieben Worte! Ich bin froh, wenn das, was ich erlebt habe, anderen Hoffnung gibt. Das ist auch mir ein Trost, denn es macht meine eigene Geschichte ein wenig sinn-voller...

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  2. Liebe Wünschi, Danke für deinen Post. Er spricht mir in so vielen Punkten direkt aus dem Herzen. Ja, man wünscht sich einfach, dass die Mitmenschen sehen, das es nicht "nichts" ist/ war. Genau das ist aktuell auch ein Problem mit dem ich kämpfe, dass weist du ja. Alles dreht sich weiter und man soll doch "bitte einfach" funktionieren, damit es für die Mitmenschen nicht unangenehm wird.....Für die meisten Mitmenschen bleibt bei uns doch alles "beim Alten". Wir bleiben zu Zweit und gehen zu Zweit durchs Leben - so what.... ist doch so, wie es schon immer war, denken sich die meisten.....
    Nein ist es eben nicht! Auch wenn es für Außenstehende nicht sichtbar ist, setzen wir die Segel gerade neu, auf einen neuen, leider nicht so gewünschten, aber trotzem guten Weg (da bin ich ganz sicher)!
    Ich drück dich. Bluete83

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    1. Und dadurch, dass wir hier sind, das ihr mit hier seid, sind wir nicht mehr unsichtbar. Wir sind da. Und wir sind auf einem guten Weg, auch wenn er sich noch holprig anfühlt.
      Ich drück dich fest ♥

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  3. Weil ich nicht mehr dazu sagen kann. Weil ich keine Ahnung habe, was du und ihr da durch macht.

    Deswegen einfach nur ein ♥. Und einen Drücker. Und ein: Du bist toll! Genau so, wie du bist.

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  4. Einen lieben Kommentar unterschlägt es hier auf dem Blog, aber ich habe ihn in meinen Mails gelesen. Leider anonym, daher kann ich dich nicht direkt anschreiben.
    Ich möchte dir fest versprechen, dass du nicht alleine da stehst, auch wenn momentan alles doof ist. Ich kenne deine Angst vor den Schwankungen...vor den Wellen...
    Fühl dich fest gedrückt ♥

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