Dienstag, 27. September 2016

Die kleinen Abschiede.

Mein erster bewusster Abschiedsmoment fand bei Ikea statt. Plötzlich an einem Montag aus heiterem Himmel. Ikea ist ja so eine Sache...immer schon. Also seit der Sache mit dem Kinderwunsch. Es gibt Tage bei Ikea, da denkt man "hoppala, jetzt bin ich doch tatsächlich die Allereinzigste auf der ganzen weiten Welt, die keinen dicken Bauch trägt". Es gibt Tage bei Ikea, da ist man umzingelt von Kleinkindern und Babys. Es gibt Tage bei Ikea, da möchte man direkt kehrt machen, weil man den Geräusch-, Gebrüll- und Geschreipegel kaum aushalten kann, weil es schlichtweg nervt, dass alle Welt ihre komplette Großfamilie durch den Ikea schleppt und die Kinder ja auch sichtlich totaaaaaaaaal Spaß dabei haben. Es gibt Tage wie vergangenen Montag. An dem du mit deinem Lieblingsmann einen Kaffee auf dem Landskrona Ledersofa trinkst, und da sitzt, mit dem Blick aufs Ikeakinderland. Und mein Blick schweift zu Ekorre. Dem roten kleinen Schaukelelch. Schon von Anfang an war ich verliebt in ihn. Und ich merke, wie ich schlucken muss. Ekorre und ich wir wären ein tolles Team geworden. Blöd gelaufen. In meiner Vorstellung war Ekorre quasi ein festes Familienmitglied.

Ich hatte mir in Gedanken oft schon ein Kinderzimmer gestaltet. Ich hätte gewusst, welche Kommode, welchen Schrank und welche Babybettwäsche ich genommen hätte. Und der kleine Schaukelelch...in unserer Wohnung wird er wohl nie Einzug halten. Dieses "nie" kam mir auf einmal so schwer vor. 

Ich nahm also in Gedanken Abschied von Ekorre und das war für mich auf einmal ziemlich traurig. Wir saßen da auf diesem Sofa, der Lieblingsmann mit einer Laune zum Davonlaufen und ich, in mitten der vielen Menschen, die versuchte, sich jetzt einfach mal zusammen zu reißen. 

Und so zerplatzt gerade eine Seifenblase nach der Anderen in meinem Wünscheleben. Es sind so viele kleine Abschiede, das denkt man gar nicht. Weil sich tatsächlich weder räumlich noch zeitlich irgendwas ändert, es ist, wie es vorher schon gewesen ist. Wir zwei beide -ohne Kind. Und trotzdem werden diese kleinen Dinge plötzlich bewusst. Das sind Abschiede von simplen Dingen. Wie Ekorre. Kleine simple Dinge, die sich nun doch endgültig anfühlen. 

Und dann stellt man sich in all dem Schlamassel auch noch die Frage: Bleibt das jetzt so? 

Was sich vorher geborgen angefühlt hat, fühlt sich plötzlich ein wenig fremd an. Der Partner, der wohl ebenfalls offensichtlich mit der Gesamtsituation unzufrieden ist - bleibt das so? Der Lieblingsmann, der drei Tage gebraucht hat um mir zu sagen, dass er Angst hat, dass er wertvolle Zeit verpasst...ich versuche noch immer, das irgendwie richtig zu verstehen ohne dabei beleidigt zu wirken. Für mich sind er und ich zusammen immer noch die Wucht. Weil ER für mich einfach alles ist. Egal wo, ob Regen oder Sonne, ob es nun läuft oder nicht. Bleibt es so, dass ich hier ganz zufrieden bin, während ER es nicht ist? Kann so was auf Dauer gut gehen? Wenn einer was ändern will und der andere eigentlich nicht, weil sich sowieso zwangsläufig einige Dinge ändern und es an Änderei irgendwie schon genug ist? 
Er hat es anders gemeint...bezogen auf vergammelte langweilige stille Sonntage, oder auf mein geliebtes Ausschlafen...Für ihn ist das verlorene Zeit, wenn man sowas oft macht. Vermutlich war es schon immer so, aber zur Zeit fühlt sich genau das für mich fremd, ungut und manchmal ziemlich bedrohlich an. 

So geht es uns also damit...nicht jeden Tag aber oft. Es ist oft ein kleiner Kampf zwischen uns. Zum ersten Mal in all der Zeit gibt es Tage, an denen wir tatsächlich nicht wissen, was wir mit der Zeit und mit uns anfangen sollen. Meine liebe Peach schrieb letztens 'Es ödet manchmal einfach alles an.' Und ja so ist es manchmal. Entweder bist du selber so genervt und enttäuscht von allem oder aber du merkst, wie ER es ist und wir können uns gerade gegenseitig so wenig helfen. 
Wir haben viel geredet, man kann und will aber auch nicht immer reden obwohl es vielleicht wichtig wäre, wie man die Tage gesehen hat. Aber immer reden...ganz ehrlich...ich habe die Nase voll davon. Von all dem Reden und Überlegen.

Schwierig.  

Am Liebsten wäre ich jetzt wieder in meinem Schneckenhaus. Mit Schild vorne dran: Geschlossen auf unbestimmte Zeit.

Auch keine Lösung ich weiß.

Und deswegen halte ich tapfer mein Näschen in den sanften Herbstwind und trau mich raus. Geh weiter Glücksmomente sammeln. Darin hab ich Übung.(Ich gebe zu zur Zeit nervt mich sogar das...) Ich nehme mir fest vor, mehr aus meinem angefangenen Hobby zu machen...und mich mehr zu trauen. Und mir somit ein wenig Ablenkung und Abstand von der schwierigen Zeit zu verschaffen. 



Mitbringsel vom Herbstspaziergang.


Kommentare:

  1. Ach Mensch. Ich habe KEINE Ahnung, wie sich das anfühlt. Und um ganz ehrlich zu sein: Ich habe ebenfalls keine Ahnung, was ich schreiben soll.

    Ich möchte dir aber sagen, dass ich da bin. Auch wenn ich keine Ahnung habe. Zuhören kann ich trotzdem. Und wenn du keinen Bock zum Reden hast - was verständlich ist - bin ich trotzdem da. Zum Käffchen schlürfen. Zum Smoothie ess-schlürfen. Zum Ablenken. Oder falls das alles nichts ist einfach zum Da-sein.

    Ich drück dich feste & von ganzem Herzen, meine allerliebste Wünsche-Fee ♥

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  2. ❤❤❤
    Ich bin da... Und wenn Du das auch möchtest für immer!
    ❤❤❤ Deine Peach

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  3. Liebe Wünschi,
    ach mensch, lass dich einfach mal ganz fest in den Arm nehmen. Ich verstehe dich, dass weist du. Auch wenn für alle anderen unser Leben ja "einfach" weiter geht, für uns eben nicht. Seit unserer Entscheidung aufzuhören, habe ich auch noch kein Gefühl der Freiheit empfunden. Davon liest man ja manchmal. Ich traurigen Momenten frage ich mich auch: "geht das jetzt einfach immer so weiter? Jahr für Jahr?"
    Ich denke unsere Aufgabe wird sein, aktiv das Leben zu gestalten. Mit unserem Partner. Und das schaffen wir. Ganz bestimmt. Auch wenn es kein einfacher Weg wird.
    Liebe Grüße. Bluete83

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    1. Meine liebe Bluete83, ich finde es immer wieder krass, wie du oft mit mir auf einer Wellenlänge schwimmst...danke für dich in meinem Postfach ♥

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  4. Oh, du liebe Wünschi! Auch von mir kommt eine liebe, warme Herbstumarmung. Das Kinderzimmer... puh. Auch für mich so ein Thema. Inzwischen geht es mir viel besser damit, aber Mann, ja, das hat mir schon weh getan. Wie gerne hätte ich doch eines eingerichtet... Ideen hatte ich viele!
    Eine lange, erfolglose Kinderwunschzeit und auch der Abschied vom Kinderwunsch können die Beziehung sehr belasten. Auch, weil Mann und Frau mit der Situation zuweilen sehr verschieden umgehen. Ich wollte viel reden, habe viel geweint. Mein Mann hatte irgendwann die Nase voll davon, obwohl er auch traurig war. Ja, da war zwischen uns nicht alles rosa. Überhaupt nicht. Mitten in der Trauer eine Beziehungskrise? Kann sich definitiv als zu viel anfühlen. Als Überforderung. Ich habe mir dann irgendwann den Besuch bei einer Psychologin gegönnt. Hat mir echt gut getan.
    Du Liebe, du fragst, ob das so bleibt. Nein, das tut es nicht. Mein Mann und ich haben zuweilen ein sehr unterschiedliches Programm, eben gerade weil wir so verschiedene Bedürfnisse haben. Er schläft sonntags gerne lang, ich nicht so sehr. Das heisst nicht, dass man so nicht zusammenleben kann. Kann man sehr wohl. Man muss nur herausfinden wie ;-). Sich ein bisschen Freiheit lassen. Ums Reden kommt man nicht herum. Aber ich kann dich auch verstehen. Die Energie ist nicht immer da, vor allem in diesem Abschied, der schon so viel von uns fordert. Man kann nicht alles aufs Mal.
    Auf jeden Fall bist du nicht allein in all dem!
    Alles Liebe, Elaine

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    1. Liebe Elaine ♥ auch für dich bin ich momentan einfach so dankbar. Ja ich bin tatsächlich ein wenig überfordert mit der krieseligen Situation. Mit der Situation an sich. Mit der Leere im Kopf, weil keine Termine kein Plan mehr da ist, mit der Stille um dieses Thema, weil es einfach nicht mehr Mittelpunkt ist, mit der Zeit die man plötzlich zur absolut freien Verfügung hat...ja all sowas eben.
      Ich drück dich fest zurück ♥

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    2. Hm, ja, diese Stille. Da kann einem das Leben ganz schön leer vorkommen. Und manchmal auch etwas sinnlos. Das fand ich am schwierigsten. Nach so langem Kämpfen - für mich bedeutete die aktive, medizinisch unterstützte Kinderwunschzeit vor allem sehr viel Stress - ist es erst mal ungewohnt, einfach zu *sein*. Zu atmen. Sich zu sammeln.

      Wenn der Abschied vor der Tür steht, kündigt sich auch eine Neuorientierung an, selbst wenn man dafür vielleicht noch gar nicht bereit ist. Die Unzufriedenheit, die sich einschleicht, ist ein Vorbote davon. Das erzeugt eine Spannung. Einerseits trauern, sich erholen, sich Zeit lassen, heil werden. Andererseits etwas ändern wollen und es vielleicht aber noch nicht können. Als Paar ist man da nicht immer synchron. Das auszuhalten, ist nicht leicht.

      Eine vage Unzufriedenheit fühlt sich meist bedrohlicher an als konkrete Vorschläge. Diese vage Unzufriedenheit verspürte ich manchmal auch. Wenn ich ihr Luft machte, war das nicht so konstruktiv. Dann fand ich heraus, dass es etwas besser ankam, wenn ich konkrete Vorschläge machte. Wenn ich meinem Mann vorschlug, an einem Sonntag irgendwo hinzufahren, um etwas Bestimmtes zu sehen, war er meist sehr gerne dabei. Oder aber es war genau anders herum. Er hat etwas unternommen, Freunde besucht, und ich blieb daheim. Weil ich gerade Ruhe brauchte.

      Ich weiss nicht, ob das alles passt und für dich Sinn macht? Sonst einfach vergessen ;-).

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    3. Doch Elaine, es passt alles und es macht Sinn und vor allem aber bin ich einfach froh, zu erfahren wie jemand anders damit umgeht. Das ist ja oft das schwere, ich kann hier in meinem Umfeld niemanden fragen. Weil niemand das gerade so erlebt. Und da seid ihr ♥ ihr helft mir, ein bisschen über den Tellerrand rauszukucken. Es hilft, wenn jemand genau das erlebt hat und dann auch mal sagt: hey - mach Pläne oder bei mir was das zum Beispiel so...

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    4. Liebe Wünschi, in der Trauer soll man ja keine grossen Entscheidungen treffen. Das ist so 'ne Faustregel, der ich zustimmen würde, auch wenn jede Geschichte und jedes Paar anders ist. Aber da gibt es noch immer genügend kleine Dinge, die manchmal einen grossen Unterschied machen. Vielleicht Dinge, die man schon lange mal machen wollte und immer aufgeschoben hat. Mit solchen Sachen kann man anfangen, wenn man denn mag. Es ist auch okay, nicht zu mögen! Es ist dein Weg, euer Weg. Ihr macht das genau so, wie Ihr möchtet ♥!

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