Samstag, 27. Februar 2016

Macht man sich hinterher Vorwürfe?

Wollten wir das alles überhaupt genug?
Sind wir selbst an unserer Kinderlosigkeit schuld, weil wir nicht noch mehr gegeben haben?
Hätte es nicht doch noch weitere Tests gegeben, die das Schräubchen an dem es fehlt repariert hätten?
Warum fühlt es sich schlecht an, wenn man immer und überall liest: if you can´t stop thinking about it, don´t stop working for it?
Muss man auch noch den 8, 12, 22. Versuch über sich ergehen lassen, wenn man auch nach dem statistischen 7. Versuch erfolglos geblieben ist? 
Warum ist 'aufgeben' immer verbunden  mit sich rechtfertigen müssen? 
Ist aufgeben (dämliches Wort) überhaupt eine Option?  
Ist es eine Fehlentscheidung?
DIE Fehlentscheidung unseres Lebens?
Jetzt wo noch alles möglich wäre? 
Ist überhaupt noch alles möglich?
Werden wir uns in ein paar Jahren tief enttäuscht ansehen und uns fragen, warum wir nicht noch ein bisschen mehr Kraft investiert haben?
Fragen wir uns das nicht so oder so?
Wie ist das wenn du die magische Grenze erreichst, das Alter in dem du garantiert nicht mehr schwanger werden kannst?
Wie groß ist das Loch dann, in das man fällt?
Sollte man nicht kostbaren Jahre ausnutzen und die Zähne zusammenbeißen?
Was, wenn dann aber all die Jahre wieder verschwendet sind?
Verschwendet an einen Wunsch der einfach unerfüllbar scheint?
Was bedeutet es am Ende unserer Kräfte zu sein?
Wäre da nicht noch ein bissche Kraft übrig, wenn es ganz tief im Herzen klopft und sagt - naja, vielleicht könnte ich es rein körperlich noch einmal schaffen?
Wie viele Hormone verkraftet mein Körper? 
Bislang hat er sich nur ein einziges Mal beschwert, also könnte man ihm nicht doch noch ein paar Spritzen zumuten?
Bliebe nicht immer der Gedanke: wir waren so nah dran, warum haben wir es nicht einfach weiter versucht?
Warum stellt man plötzlich ALLES in Frage?
Selbst, dass am Ende ein gesundes Kind in unseren Armen liegen würde?
Wenn schon ein Chromosom nicht passt und ausgerechnet wir uns gefunden haben, wäre es da nicht besser es einfach sein zu lassen?
Warum fühlt es sich an, als würde man uns mitleidig ansehen: nun ja, ich hätte an ihrer Stelle einfach noch ein bisschen weiter gemacht wo ist das Problem?
Wo bleibt die Liebe an dieser Stelle?
Ist unsere Liebe tatsächlich größer geworden oder liebt man vielleicht auch ein wenig verzweifelter?
Kann unsere Liebe jemals so etwas in der Art empfinden, wie Eltern empfinden? 
Warum vermisst eine Liebe manchmal solche Gefühle, die sie eigentlich gar nicht kennt?
Warum fehlt etwas so sehr, das nie wirklich dagewesen ist?
Wieso fällt der Abschied so schwer?
Ist es eine Art Selbstschutz wenn man sich einredet, dass alles vielleicht doch gar nicht so schlimm war?
Darf man irgendwann einfach sagen, dass man keine Lust auf weitere Probleme hat?
Darf man irgendwann einfach froh sein, dass einem vieles erspart bleibt wenn man die Jugend da draußen so ansieht?
Ist es schlimm an einer Fehlgeburt zu scheitern, zu sagen, dass man das nie wieder erleben möchte?
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass es wieder passiert? 
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine problemlose Schwangerschaft hätten?
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir überhaupt wieder schwanger werden würden?
Wenn die Warteschleifen schon der pure Horror sind, wie würden sich dann weitere Monate voller Angst gestalten?
Würde ich genau daran scheitern? 
An meiner Angst, an meiner unfassbar großen Sorge, dass auch diesem Wunderpünktchen schreckliches zustoßen könnte? 
Wie sehr haben wir uns eigentlich verändert?
Auf wie viel haben wir verzichtet?
Was haben wir alles ausgegeben?
Kostet es uns am Ende vielleicht sogar unsere Liebe, nur damit dieser Weg positiv endet?
Ist es nicht so, dass es eben nicht immer nur zusammenschweißt sondern auch wahnsinnig zehrt?
Was, wenn wir mit einer falschen Entscheidung alles verlieren?
Uns?
Unsere Träume?
Unser gemeinsames Leben?
Schaffen wir noch ein bisschen Berg- und Talfahrt?
Was steckt in all den Tränen - ist es wirklich die Sehnsucht oder einfach nur Verzweiflung?

Nun.

Seit vorgestern diskutieren wir genau DAS alles aus. Moment für Moment. Situation für Situation. Möglichkeit für Möglichkeit. Schließen Dinge aus, ziehen andere in Betracht. Immer wieder sind wir froh, wenn uns die Zeit zum Reden ausgeht. So können wir es von Tag zu Tag schieben und so fallen uns vielleicht noch mehr Gründe dafür oder dagegen ein. Es ist schwer ein Ende zu finden. Es scheint nahezu unmöglich. Aber dieses Unmögliche wollen wir schaffen. Wir hoffen beide, dass es sich mit Zeit und mit vielen Gesprächen einfach ergibt. Die Kraft für einen neuen Weg oder das Wohlgefühl dass es endlich gut so ist wie es ist. Wir hatten beide wohl die Hoffnung, dass es sich still in unser Leben einschleichen würde, diese Sicherheit alles richtig gemacht zu haben. Weit gefehlt. Was bleibt ist eine Hoffnung die sich falsch anfühlt und das Gefühl falsch zu entscheiden....

Es ist eben doch eine recht endgültige Entscheidung. Mit der du leben musst. Für den Rest deines Lebens, der unter Umständen echt lang sein kann. Eine Entscheidung, die dich jederzeit an jedem Ort einholen wird. Eine Entscheidung, der gegenüber du stark sein musst um das auszuhalten, was es sie Frage stellt. Das kann wahnsinnig erleichternd sein. Aber mir macht es einfach nur Angst. Ich wäre die, die beim Bungee-Sprung schon angeschnallt oben steht und dann plötzlich hyperventiliert und zu Fuß mit zitternden Knien wieder nach unten geht. Und ich bin die, die dann kein bisschen stolz auf ihre Entscheidung ist, sondern endlos traurig über sich selbst, weil sich alle Anderen getraut haben, aber sie - wie immer - komplett vom Mut verlassen da steht und lieber nur zusieht...











Kommentare:

  1. Ich möchte dir einfach sagen, dass ich mir/ wir uns z.zt. die gleichen Fragen stellen. Mal intensiv diskutieren. Dann mal ein paar wochen in denen sich jeder seine eigenen Gedanken macht......
    Auch ich habe angst die "falsche" (oder doch richtige? ) Entscheidung zu treffen. Die angst zu bereuen. ..
    Fühl dich einfach gedrückt. Bluete83

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    1. Was macht uns nur so furchtbare Angst davor? Bis jetzt ging es doch auch...aber bis jetzt hatten wir eben auch immer noch ein bisschen Hoffnung...
      Ich drück DICH

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  2. Liebes... Vielleicht solltest du "alle anderen" einfach mal vergessen? Das ist weder die Entscheidung noch das Leben von "den anderen". Die können dir nicht sagen was du tun oder wie du dich entscheiden sollst. Leider? Oder Gott sei Dank? Scheiß drauf, sollte irgendwer sagen "hätten sie doch nur mal länger probiert. Mehr gekämpft." Mööp. Schnauze halten. Und zwar alle. Weil niemand fühlt was du fühlst. Was ihr fühlt. Und es steht schonmal gar niemandem zu, sowas überhaupt zu sagen. Punkt.

    Das macht die Entscheidung nicht einfacher, ich weiß.

    Würdet ihr es in 5, 10, oder 15 Jahren bereuen es nicht nochmal versucht zu haben? Oder würdet ihr jetzt eigentlich gerne, aber die scheißdrecksverkackte Angst lässt euch nicht? Vermutlich lässt sich auch diese Frage nicht eindeutig beantworten.

    Vielleicht, und du weißt wie ich das meine, würde es euch wirklich gut tun das Erlebte erstmal zu verarbeiten? Mit professioneller Hilfe? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich es ohne Hilfe nie geschafft hätte. Niemals. Auch wenn das sicherlich auch erstmal nur verdammt hart ist / wird.

    Ich drück dich feste. So fest es nur geht. Quasi so, bis wir beide kaum noch Luft bekommen ♥

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    1. Natürlich würden wir es bereuen. Aber wir würden es auch bereuen, wenn wir noch weitere Jahre unseres kostbaren Lebens kaputt machen um etwas hinter her zu laufen, das vermutlich nur eine Wunschvorstellung bleibt. Und die Angst, die wird von Versuch zu Versuch natürlich auch nicht weniger, sondern greift jedes Mal ein bisschen fester zu.

      Ich weiß nicht ob mir jemand helfen kann, all die Fragen für mich zu beantworten...es sind Gedanken und Gefühle die, denke ich (hoffe ich) ganz normal sind. Das zu verarbeiten was passiert ist vermutlich schon. Aber mir fehlt der Ansatz und ein bisschen der Wille. Ich weiß worauf du hinaus willst aber ich möchte einfach so gern auch mal vorwärts kommen nicht immer nur zurückblicken...

      Ich drück dich ebenfalls ganz ganz (vorsichtig) ganz fest ♥

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  3. Liebe Wünschi,

    ich weiß nicht so recht, was ich dir sagen soll... Fakt ist: egal, wie ihr euch entscheidet, es ist richtig! Niemand kann euch da reinreden oder euch etwas vorwerfen!

    Ich schließe mich J.B. an, was eine professionelle Hilfe angeht. Ich lasse mich seit der 2. negativen ICSI psychotherapeutisch begleiten. Und meine Therapeutin wird auch an meiner Seite sein, falls am Ende kein Kind da sein wird. Es ist zumindest ein kleiner Trost zu wissen, dass ich diesen Weg dann nicht allein gehen muss..

    Ich drück dich!!! LG Prinzessin

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    1. Nur was ist richtig...
      Drück dich fest :*

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  4. Ich wünsche dir Kraft für was auch immer du dich entscheidest! Und hört nur auf euch - die anderen sind da vollkommen Wurscht!
    Versucht ehrlich zu sein - klingt einfach - fällt aber vielen schwer...
    Ich drück.dich

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  5. Liebe Wünschi,
    wir haben gerade die selber Gedanken und Fragen. Können wir nicht einfach glücklich sein? Immer die Frage nach dem Warum und Hätten wir nicht. Einfach doof. Leider findet man dafür oft kein Verständnis.
    Gruß

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    1. Und wenn man kein Verständnis findet, dann fühlt man sich so doll vor den Kopf gestoßen...
      Es ist tatsächlich einfach doof so umherzukreisen in der Hoffnung irgendwo doch eine Antwort zu finden. Aber letztendlich ist es doch normal oder?
      Lieben Gruß an dich!

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  6. Oh man. Bei uns ist dieses Gedankenszenario durch die zweite negative ICSI ja nun auch ein Stückchen näher gerückt. Aber wir haben das jetzt einfach mal ignoriert. Weil dieses Thema einfach so verdammt schwer ist.
    Ich kann dir leider überhaupt nichts empfehlen. Und ich vermute auch mal, dass der Entscheidungsprozess für oder gegen eine weitere Behandlung ein sehr langer ist.
    Du bist hin- und hergerissen zwischen Herz und Verstand. Wobei beide dir auch die ganze Zeit keine einheitlichen Ansagen machen. Das Herz sagt dir, dass es gerne Kinder möchte. Es sagt dir aber auch, dass du müde von den ganzen Behandlungen bist. Der Verstand sagt dir, dass da auch ein hohes Risiko ist und du auch auf dich aufpassen musst. Er sagt dir aber auch, dass da eine Wahrscheinlichkeit für einen Erfolg besteht. Wie soll man da ganz einfach eine schnelle Entscheidung treffen? Geht nicht - ganz und gar nicht.
    Ich kann dir nur empfehlen, weiterhin deinen Blog dafür zu nutzen, deine Gedanken zu sortieren. Er wird dir bei deinem langwierigen Prozess sicher eine gute Stütze sein.
    Ich drück dich und wünsche dir, dass du ganz bald in der Lage bist eine Entscheidung zu treffen. Alles Liebe.

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    1. Liebe Lisa, Herz und Verstand ja.
      Ich nutze auf jeden Fall diese Möglichkeit der Gedankensortierung und bin froh, dass es hier kein Speicherplatzlimit gibt ;)
      Ich wünsche dir auch alles Liebe und drück dich!

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  7. Liebe Wünschi,

    "Und ich bin die, die dann kein bisschen stolz auf ihre Entscheidung ist, sondern endlos traurig über sich selbst, weil sich alle Anderen getraut haben, aber sie - wie immer - komplett vom Mut verlassen da steht und lieber nur zusieht..."

    Nein, das musst du nicht sein. Egal, welche Entscheidung du triffst. Weiterzumachen erfordert Mut, aber "aufzugeben" erfordert auch Mut. Wobei ich das Wort "aufgeben" in dem Moment überhaupt nicht passend finde. Denn es erfordert sehr viel Stärke, anzuerkennen, wenn man die eigenen Grenzen erreicht hat.

    Und wenn du dann eine Entscheidung getroffen hast, steh aus vollem Herzen dazu und dann gestalte dein Leben so, dass du eben in 5, 10 oder 15 Jahren oder wenn du 80 Jahre alt bist und zurückblickst, stolz bist, aus dem was du draus gemacht hast, ohne Bitterkeit. Ob mit oder ohne (eigene) Kind(er).

    Niemand kann vorhersehen, wie das Leben verlaufen wird, wenn man diese oder jene Entscheidung trifft. Niemand wird dir all die vielen Fragen wirklich zufriedenstellend beantworten können, wahrscheinlich auch du nicht oder dein Mann. Ich finde es wichtig, dass du sie stellst - aber ich wünsche dir, dass du dich irgendwann frei machen kannst von dem Wunsch nach Antworten und dem Vergleich mit "den Anderen".

    Du bist mutig, du bist stark - ich wünsche dir, dass du das erkennen kannst und deinen eigenen Weg findest.

    Ich drücke dich,

    Fi

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    1. Meine liebe liebe Fi,
      ich danke dir sehr für deine soooo lieben Worte ♥
      Mutig? Stark?
      Wenn ich es nur fühlen könnte...
      Drück dich fest zurück du Liebe ♥

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  8. Liebe Wünschi, wir stellten uns vor einigen Jahren ähnliche Fragen, und wir haben uns damals gegen weitere Versuche entschieden. Das Gedankenkarussel ist aber immer noch ab und an da, wenngleich wir etwas älter sind. Und manchmal fragt man sich, ob es die richtige Entscheidung war. Wenn wir dann aber unsere Beweggründe reflektieren, dann fühlen wir einfach, dass es richtig war, für uns: die Hormonbehandlungen waren einfach wahnsinnig strapaziös für uns beide (physisch und psychisch), ich hatte stets das Gefühl, ein Versuchskaninchen zus ein in diesem ART-Zirkus, was diese Hormonbomben für Langzeitfolgen haben, ist noch wenig erforscht und ich für meinen Teil will gern gesund alt werden. Wir hatten in den KiWU-Jahren das Gefühl, wir lebten gar nicht mehr richtig. Wir fühlten uns wie in einer Endlos-Schleife und diesen Zustand wollten wir beenden. WIr wollten endlich wieder leben, Pläne machen, glücklich sein! Und wir uns auch nicht als Paar verlieren. Für uns war das Paar-Sein immer wichtiger als die Möglichkeit eines Kindes. Denn wir haben uns, wir sind real, der Kinderwunsch nicht. Wir weigern uns auch, uns ohne KInd als weniger vollständig oder wertig zu sehen, ganz im Gegenteil. Jede Lebenssituation hat Vor- und Nachteile. Für uns war es anfangs eine Art Überlebenstrieb: Wir sind auch jenseits der Kinderfrage wertvolle Menschen und wir wollen glücklich leben. Deshalb finde ich auch das Bild, das Du zeichnest (das mit dem Bungee-Sprung) nicht ganz passend. Ich empfinde diesen Weg mehr wie eine Bergtour: Es zählt nicht nur der Gipfel, sondern der Weg ist das Ziel. Man kann auch dann erfolgreich einen Berg besteigen, wenn man weiß, wann es Zeit ist umzukehren. Das ist kein "aufgeben", sondern eine kluge und umsichtige Entscheidung, die alle Aspekte einbezieht und verantwortungsvoll abwägt. Die eigenen Grenzen zu kennen, sehe ich eher als eine sehr große Kompetenz. Alles Gute für Euren Weg!

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    1. Wir sind real - der Kinderwunsch nicht. Und irgendwie hast du damit recht.
      Danke für deine so lieben mutmachenden Worte ♥

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