Montag, 15. Februar 2016

Die Geschichte von den Wasserkäfern und der Libelle.

Heute vor einem Jahr bist du gegangen. Kleiner Punkt...Es sind noch so viele Dinge die an dich erinnern. Der Test, dessen Fenster gar nicht mehr schön aussieht, aber dafür einen deutlichen zweiten Strich zeigt, der Schmetterling im Garten, der geduldig darauf wartet, dass der Flieder über ihm wieder blüht, die vielen gespritzten Ampullen und die restlichen Medikamente, die ich noch immer nicht entsorgt habe...unsere Liebe und all das was sich durch dich verändert hat.

Es gibt Tage an denen kann ich immer noch nicht fassen, dass genau das passiert ist. Dann gibt es Tage, an denen ich etwas in mir - vermutlich dich oder das Gefühl nach dir - so sehr vermisse, dass mir alles weh tut. An vielen Tagen kommt mir alles vor wie im Traum. In einem furchtbar schlechten. An manchen Tagen brauche ich Musik um das auszudrücken was ich gerade fühle. Und an manchen Tagen wünsche ich mir einfach nur dich zurück. An bösen Tagen bin ich wütend und wünschte wir hätten diesen Weg nie begonnen, hätten uns von Anfang an andere Ziele gesetzt. An den meisten Tagen allerdings nehme ich nichts von dem all dem an und bin einfach nur enttäuscht und so fürchterlich einsam. Möchte laut in die Welt hinaus schreien, dass uns das hätte nicht passieren dürfen. Man verkraftet einiges, man überwindet vieles aber das hier war deutlich eine Nummer zu groß für uns. 

Heute an diesem Tag vermisse ich dich so. ER tut es auch. Heute an diesem Tag fühlen wir uns wieder so verloren in unserer kleinen Welt...so verloren, dass wir jeden Tag das Weite suchen um uns nicht einsam zu fühlen, um nicht ganz so deutlich zu spüren wie weh das alles noch immer tut und wie traurig wir noch immer darüber sind. Wir sind so traurig, weil immer noch die gleiche Leere herrscht. Es gibt eben keinen Ersatz für dich. Es gibt nichts, dass über dich hinweg hilft. Du bist einfach nicht mehr da und das ist bisher das größte Unglück in meinem Leben. 

Es ist eben schwer...und ich will weiter versuchen, den anderen Dingen, Menschen und Gefühlen in meinem/unserem Leben eine Chance zu geben. Und ohne die Hand des Lieblingsmenschen ist das unvorstellbar. Er hat bisher viele Verluste hinnehmen müssen, und gibt mir dennoch die Kraft und den unerschütterlichen Halt, den ich an meiner Seite brauche. Wie er das macht ist mir bis heute ein Rätsel...und wenn das alles einen Grund hat, dann ist wohl ER der Grund. Ich sollte vielleicht genau ihm begegnen um den nötigen Halt in meinem Leben zu finden...

Und hier eine kleine Geschichte. Für alle die traurig sind. Für alle die verloren haben. 

Die Geschichte von den Wasserkäfern und der Libelle.

Am Boden eines kleinen ruhigen Teiches lebte eine Gemeinschaft von Wasserkäfern. Es war eine zufriedene Gemeinschaft, die dort im Halbdunkel lebte und damit beschäftigt war, über den Schlamm am Boden des Teiches hin und her zu laufen und nach und nach etwas Nahrung zu suchen.

Immer wieder bemerkten die Wasserkäfer jedoch, dass der eine oder andere von ihnen anscheinend das Interesse daran verlor, bei ihnen zu bleiben. Er klammerte sich dann an einen Stängel einer Teichrose und kroch langsam daran empor bis er verschwunden war. Dann wurde er nie wieder gesehen.

Eines Tages, als dies wieder geschah, sagten die Wasserkäfer zueinander: "Da klettert wieder einer unserer Freunde den Stängel empor. Wohin mag er wohl gehen?"

Aber obwohl sie genau zuschauten, entschwand auch dieses Mal der Freund schließlich aus ihren Augen. Die Zurückgebliebenen warteten noch eine lange Zeit, aber er kam nicht zurück.
"Ist das nicht merkwürdig?", sagte der erste Wasserkäfer.
"War er denn hier nicht glücklich bei uns?", fragte der zweite.
"Wo er jetzt wohl ist?", wunderte sich der dritte.
Keiner wusste eine Antwort. Sie standen vor einem Rätsel.
Schließlich berief der Älteste der Käfer eine Versammlung ein. "Ich habe eine Idee", sagte er. "Der Nächste, der von uns den Teichrosenstängel empor klettert, muss versprechen, dass er zurückkommt und uns erzählt, wohin er gegangen ist und warum." "Wir versprechen es", sagten alle feierlich. 

Nicht lange danach an einem Frühlingstag, bemerkte genau der Wasserkäfer, der den Vorschlag gemacht hatte, dass er dabei war, den Teichrosenstängel empor zu klettern. Höher und immer höher kletterte er. Und dann, noch bevor er wusste, was ihm geschah, durchbrach er die Wasseroberfläche und fiel auf ein großes, grünes Teichrosenblatt.

Als der Wasserkäfer wieder zu sich kam, blickte er verwundert um sich. Er konnte nicht glauben, was er da sah. Alles war ganz anders und auch sein Körper schien auf merkwürdige Art verändert. Als er ihn neugierig zu betrachten begann, fiel sein Blick auf vier glitzernde Flügel und einen langen Hinterleib, die nun anscheinend zu ihm gehörten. Noch während er sich über seine ungewohnte Form wunderte, spürte er ein Drängen, die Flügel zu bewegen. Er gab dem Drängen nach, bewegte seine Flügel - und plötzlich, ohne zu wissen wie, befand er sich in der Luft. 

Der Wasserkäfer war eine Libelle geworden. Auf und ab, in engen und großen Kreisen, bewegte sich die neugeborene Libelle durch die Luft. Sie fühlte sich wunderbar in diesem so ganz andersartigen Element. Nach einiger Zeit ließ sie sich auf einem Blatt zum Ausruhen nieder. 

In diesem Moment sah die Libelle hinunter ins Wasser. Und da waren ihre alten Freunde, die anderen Wasserkäfer, die hin und her liefen am Boden des Teiches. Jetzt erinnerte sich die Libelle an ihr Versprechen.

Ohne lange zu überlegen, stürzte sich die Libelle hinab, um ihren alten Freunden zu berichten. Aber sie prallte an der Oberfläche des Wassers ab. 

"Ich kann nicht zurück." sagte sie traurig. "Zwar habe ich es versucht, aber ich kann mein Versprechen nicht halten. Und selbst wenn ich zurück könnte, kein einziger meiner Freunde würde mich in meinem neuen Körper erkennen." 

Und nach einigem Nachdenken wurde ihr klar: "Ich muss wohl warten, bis sie ebenfalls Libellen geworden sind. Dann wissen sie selbst, was mir widerfahren ist und wohin ich gegangen bin."

Und damit flog die Libelle glücklich empor, in ihre wunderbare neue Welt aus Licht und Luft. 

(Verfasser unbekannt)

Kommentare:

  1. Meine liebe Wünschi,
    die Worte könnten 1:1 von mir sein. In drei Tagen jährt sich auch bei mir der Todestag meines Sternchens zum zweiten Mal.
    Auch nach zwei Jahren macht das alles noch keinen Sinn. Und man kann es einfach nicht vergessen. Und erst gestern habe ich mir vorgestellt wie alt mein erstes Sternchen jetzt wohl wäre und was ich gestern wohl mit unserem Sternchen unternommen hätte... Der Schmerz wird anders, aber er bleibt. Leider.

    Die Geschichte mit der Libelle ist übrigens wunderschön ❤️

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    1. Danke liebe Lisa, sie hilft mir sehr, damit ich mir vorstellen kann, dass mein Pünktchen es ganz wundervoll hat da wo es ist. ♥

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  2. Die Geschichte ist wunderschön!

    Ich halte dich, Liebes ❤️

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    1. Und ich danke dir dafür ♥ von ganzem Herzen!

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  3. ❤️
    Von Libelle zu Wasserkäfer:

    Ich weiß noch immer, wie es da unten war.
    Ich weiß noch immer, das da unten nicht alles schlecht ist
    Und ich weiß noch immer, dass der Weg nach oben andere Licht nicht leicht ist.

    Auch, wenn ich zu den Libellen gehöre.... Wir vergessen die Käfer-Zeit nicht!

    Ich drücke dich so fest ich kann und würde, wenn es möglich wäre, nach unten brausen und dich nach oben ziehen!

    ��

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    1. Du bist lieb, so habe ich die Geschichte noch gar nicht interpretiert ♥ geht aber genauso wenn man so möchte...für mich ist die Libelle eher mein Pünktchen, einfach weil ich so gern wüsste warum es gegangen ist und weil ich so gern wüsste, dass es dort wo es jetzt ist ganz besonders schön ist.
      Ich drück dich ganz fest meine Glitzerlibelle ♥

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    2. Es kam mir danach auch. Es ist wahnsinnig wie man die geschichte interpretieren kann.

      Das schöne an deiner Interpretation (und ich glaube, es ist der eigentliche Gedanke) ist ja, dass eigentlich jeder Wasserkäfer auch einmal eine Libelle wird....
      Das ist glaubenssache und ich glaube daran, feste ❤️

      Ich hoffe, dass ihr den ersten Jahrestag, Seite an Seite, gut überstanden habt.

      Ich drücke dich feste

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    3. Daran glaub ich auch ♥
      Wir haben das Beste draus gemacht. Wirklich.
      Und ich drück dich noch ganz viel fester :*

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  4. Ich denke an dich, Wünschi. Die Geschichte hat mich tief berührt. Alles Liebe, Deine Bluete83

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  5. Eine berührende Geschichte und so wahr :'-/. Während ich kleiner Wasserkäfer versuche, den Weg nach Oben zu finden, ist meine beste Freundin (glücklicherweise) eine Libelle geworden. Sie denkt oft an ihre Zeit im Wasser zurück und versucht das nie zu vergessen. Vielleicht krabbeln wir doch irgendwann noChalet nach oben, ich wünsche es dir sehr :-*. LG Prinzessin

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    1. Liebe Prinzessin - auch deine Interpretation ist anders ♥ aber eigentlich auch nicht schlecht.
      Ich wünsche es DIR!
      Drück dich.

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  6. (((Wünschi))) Die Jahrestage....der erste ist und bleibt besonders.

    Die Geschichte ist wunderschön ! Und sie zeigt auch, wie unterschiedlich man Geschichten interpretieren kann.
    Für mich sind die Libellen meine Sternenkinder - und ich kam gar nicht auf die Idee die Erzählung als Gleichnis für Mütter und Nicht-Mütter zu sehen.
    Würde ich mich aber unter diesem Gesichtspunkt in der Geschichte wiederfinden wollen, so würde ich mich im Gegensatz zu den anderen für die Libelle halten, die aus dem Kinderwunsch-Käfer-Land den Weg hinaus gefunden hat. Als Nicht-Mutter. In`s Licht des Wonderland ;)
    Alles Liebe, xoxo und gedrückt!

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    1. Du Liebe.
      Ich fand es auch interessant und hab erst mal gestutzt, weil es ich auch nicht auf die Idee kam, die Geschichte anders zu interpretieren.
      Der Tag war wirklich besonders. Besonders in aller Form. Komisch, ruhig, traurig, voll gepfercht mit Ablenkung, kalt.

      Ich drücke dich von ganzem Herzen - Glitzerlibelle des Wonderlands ♥

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