Samstag, 30. Januar 2016

Wie die Zeit vergeht...

Gestern vor einem Jahr waren wir bereits ein klitzekleines WIR. Der Tag des Transfers war so aufregend. Zuerst der Weg vom Schnee versperrt, dann doch plötzlich Sonne und freie Fahrt auf dem Weg zum vermeintlichen Glück. Ein Jahr...

Wenn ich an diesen Tag denke, an all die Emotionen an all das kleine Glück, an die große Enttäuschung, dass von meinen 11 herangewachsenen Eizellen ganze zwei den Weg zurück zu mir geschafft hatten...irre. Der Tag an dem auch seine Emotionen irgendwie ganz arg waren. Ein Jahr...

Es war die emotionalste Zeit in meinem Leben. Die härteste Warteschleife mit den verrücktesten Gefühlen, die mir in meinem Leben je unter gekommen sind. Es war die unglaublichste, hoffnungsvollste, aufregendste Zeit ever. Ein Jahr...

Es fühlt sich momentan besonders böse an. Ich erinnere mich so bewusst an alles das. Als wäre es gestern gewesen. Selbst nach vielen Warteschleifen, nach vielen gräßlich-häßlichen und spannend-hoffnungsvollen Zeiten toppte dieser Warteschleifenfebruar 2015 alles. Ein Jahr...

Was jetzt kommt, überfordert mich leicht. Tut erneut weh und strengt ziemlich an. Vielleicht bin ich deswegen so unendlich müde. Habe kaum Lust irgendwas anzufangen. Jede Verabredung jede Unternehmung, jedes Essen gehen 'müssen' 'sollen' 'dürfen' macht mich völlig platt. Permanent habe ich Bauchschmerzen und fühle mich unwohl. Schon wenn ich aufwache. Es ist als würde die Last in meinem Herzen etwa fünffach so schwer wiegen. Ich möchte mich den ganzen langen Februar direkt ins Bett legen und erst wieder mit dem Frühling aus den Federn kriechen...aber wer frägt schon ernsthaft was ich möchte. Und das ist vielleicht auch gut so. So muss ich raus, muss zur Arbeit, muss irgendwas unternehmen, muss essen, muss trinken. 

Ganz ehrlich:

Ich warte noch immer darauf, dass es besser wird. Nur hier zur Info an alle die, die davon so wahnsinnig überzeugt sind. Es liegt wahrscheinlich daran, wie man "besser" betrachtet. Klar kann ich wieder lachen. Klar lebe ich wieder ganz normal. Natürlich bin ich wieder überwiegend in meiner Umlaufbahn. Und selbstverständlich bin ich überwiegend so wie ich eben bin. Und ja mir geht es tatsächlich allermeistens gut.
Aber der Schmerz, die Leere und die Traurigkeit - alles was ganz ganz tief drinnen sitzt, all das ist kein bisschen besser als im letzten Jahr. Die ganze damit verbundene Einsamkeit, die Trauer um diesen kleinen, einzigen Wunderpunkt in unserem Leben - es ist nicht besser. Wie es weh tut - auch das ist nicht besser. Die Frage nach dem 'warum musste es auch noch uns passieren' - auch die löst sich nicht in Luft auf. Es ist alles vielleicht mal mehr mal weniger da. Aber besser...tut mir leid. Ich empfinde es nicht so.

Ja. So ist das eben. Ein Jahr später. Nichts ist wie es war und doch hat sich in diesem Jahr nicht viel verändert. Man hat weiter gekämpft, hat weiter verloren und steht weiter irgendwie im Regen. Wie viele andere eben auch. Immer wieder kann man unter den ein oder anderen Schirm huschen, damit man wenigstens nicht vollens klatschnass dasteht. Ich vermisse diese Zeit recht arg und gleichzeitig wünschte ich, ich hätte sie nie so bewusst erlebt.

Die nächtsten zwei Wochen gehören nochmal ganz dem Wünschekrümelpunkt, mit all meinem Lächeln mit all meinen Tränen und mit all meiner Liebe und von ganzem Herzen. 





Kommentare:

  1. Ach, Liebes. Ich kenne das nur zu gut. In drei Wochen jährt es sich bei mir zum zweiten Mal. Es wird niemals gut sein. Aber der Schmerz verändert sich. Es tut auf jeden Fall noch sehr weh, aber es erstickt mich nicht mehr jeden Tag. Diese Tage, an denen ich das Gefühl habe, keine Luft mehr zu bekommen, werden weniger.
    Ich habe gelernt ... nein, das ist falsch ... ich MUSSTE lernen damit zu leben. An manchen Tagen gelingt das sehr gut, an manchen Tagen gelingt es überhaupt nicht.
    Die Antwort auf das Warum hätte ich unglaublich gerne. Aber die gibt es nicht.
    Und ja, auch ich erinnere mich sehr, sehr intensiv an diese Zeit. Als wenn es erst letzte Woche geschehen wäre. So tief hat sich dieses Ereignis in meinem Kopf und Herzen eingebrannt. Und das wird wohl auch der Grund sein, dass der Schmerz vermutlich niemals vorbei sein wird.
    Ich drücke dich ganz feste. Und lass deine Emotionen ganz nah an dich dran. Nur so kommt man einen Schritt weiter.

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    1. Danke liebe Lisa ♥
      Eingebrannt trifft es wohl auf den Punkt. Meine Emotionen (die im Übrigen in alle Richtungen gehen) überrollen mich zur Zeit aber wie du sagst ich hoffe, dass es mich/uns einen Schritt weiter bringt.
      Drück dich feste zurück du Liebe.

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  2. Auf Deine Worte hab ich keine richtige Antwort. Was soll ich dazu noch schreiben? Du hast bereits alles gesagt.
    Fühl Dich einfach gedrückt und irgendwie getröstet von mir...

    Liebste Grüsse,
    Silvi

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    1. Liebe Silvi - ich fühle mich gern getröstet von dir. Ich habe mich heute ein wenig intensiver durch deinen Blog geklickt du Künstlerin ♥
      Du bist eine starke Frau. Ich drück dich...
      Liebste Grüße zurück zu dir!

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  3. Du bringst alles immer zu toll auf den Punkt. Ich fand deinen Beitrag vom 15.1. schon ganz treffend. Endlich mal Eine, die auch mal die Sicht der "Übriggebliebenen" beschreibt. Ich selbst hatte noch nicht das Glück, ein kleines Wir zu sein. Aber ich verstehe deine Gefühle nur zu gut. Vor einem Jahr starteten wir gutgläubig in die erste ICSI und nun, 12 Monate und drei negative ICSIs später, sind wir noch immer keine Eltern (aber immerhin stolze Katzeneltern ��). Und wenn dieser Zustand für immer so bleiben sollte, wird das nie okay sein. Nie!!! Klar, das Leben wird weiter gehen und auch schöne Momente haben, aber das Eine wird immer fehlen. Und nichts wird es besser machen! Ich drück dich! LG Prinzessin

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    1. Liebe Prinzessin,
      übriggeblieben ;) ja. Irgendwie schon. Ich danke dir für deine lieben Worte. Ich weiß nicht was besser ist. Dass es gar nicht klappt oder dass du weißt es kann klappen um dann alles zu verlieren.
      Ich wünsche dir sehr, dass du ein bisschen mehr Glück hast! Fühl dich gedrückt von mir und hey - Katzeneltern sein ist was ganz besonderes ;) Es ist wunderbar ♥

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  4. Ehrlich gesagt finde ich nicht die richtigen Worte. Wieder einmal. Gibt es sie überhaupt?!
    Deswegen drück ich dich einfach, weil ich nicht still und leise wieder verschwinden möchte :-*

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    1. ♥ vermutlich gibt es sie nicht nein.
      Danke für´s drücken :*

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  5. Ach liebe Wünschi. Ich drück dich ganz fest und denke an dich.
    Bei mir sind es jetzt 2,5 Jahre her, dass ich das letzte Mal schwanger sein durfte und leider eine Fehlgeburt hatte. An manchen Tagen übermannt auch mich die Einsamkeit, der Schmerz, die immer noch vorhandene Trauer, noch sehr.
    Auf was ich jedoch mittlerweile sehr stolz bin, ist, dass mich dieses Erlebnis empfindsamer im Hinblick auf die Emotionen meines Gegenübers gemacht hat. Gerade im Bezug auf Trauer versuche ich auf meine Mitmenschen aktiv zuzugehen, weil ich dass während meiner "dunklen" Zeit sehr, sehr vermisst habe und weis wie sehr einem das hilft.
    Ich denke an dich. Du bist nicht allein!
    Bluete83

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    1. Du Liebe.
      Ich gebe dir recht. Es macht empfindsamer. Allerdings hat es mich in gewisser Weise auch negativ verändert. Ich bin manchmal so hart geworden. So enttäuscht und so abweisend. Vielleicht weil ich nie wieder erleben will, das etwas so weh tut :(
      Ich denk auch an dich ♥ und drück dich!

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