Donnerstag, 17. Dezember 2015

Bittersweet #7

Ein kleines Telefonat. Bittere Tränen einer Frau nahe der 80. Der Telefonanruf, der etwa zwei Mal im Jahr stattfindet. 
Er mittlerweile recht krank, sie nicht mehr ganz rüstig. Jedes Mal die Frage, ob sie mich endlich beglückwünschen darf. Zum Baby natürlich. Heute hab ich ihr gesagt, dass es hier kein Baby geben wird. Und es endete damit, dass sie weinte. Weil sie es versteht. Weil auch sie gerne Kinder gehabt hätte. Weil es damals für sie schwere Jahre waren. Weil sie nicht mal Geschwister hat. Weil sie irgendwann allein sein wird. Und ihr die ganze Kinderlosgeschichte gerade jetzt im Alter noch mal richtig zu schaffen macht. Aber sie hat niemanden mehr mit dem sie darüber reden kann, denn die ganzen Freunde gehen. Einer nach dem Anderen. 

Und plötzlich bin ich so traurig über diese bittere kleine Vorschau. Ich kann ihre Trauer darüber gerade durch die Leitung fühlen. Es tut mir so leid...

Ich hab hier wenigstens Jemanden zum reden. Ich kann hier und jetzt wenigstens schon mal anfangen mit Verarbeiten, wer weiß ob sie das jemals gemacht hat. Wie viele der bittersweeten Momente musste sie erleben in ihrem langen Leben? Es waren bestimmt unfassbar viele :(

Kommentare:

  1. Das ist in der Tat bitter. Und damals war es vermutlich noch ein viel größeres Tabu als heute.
    Aber heute haben wir zumindest die Möglichkeit über das Internet zu kommunizieren und zu sehen, dass wir nicht alleine sind. Wir sind viele, verdammt viele. Und einigen kann die Medizin zum Glück auch helfen. Und wir können über unseren Schmerz reden und können damit auch lernen, mit dieser Herausforderung zu wachsen. Diese Generation konnte nirgendwo darüber sprechen. Es war damals noch ein größeres Tabuthema als heute...
    Ich nehme dich jetzt auch mal ganz feste in den Arm. Alles Liebe.

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  2. Ja,das ist traurig. Aber ich möchte wenigstens positiv anmerken, dass Kinderlosigkeit im Alter nicht zwangsläufig Einsamkeit bedeutet. Die "Tante" meines Mannes, die letztlich erst einmal die Vermieterin der Wohnung seiner Eltern war, war auch ungewollt kinderlos und wurde von der Familie meines Mannes als Tante "adoptiert". Sie traf die Familie im mittleren Alter und war bis zum Tod mit 89 u.a. jeden Sonntag bei der Familie, wurde umsorgt, liebte und wurde geliebt, ganz wie ein Familienmitglied. War mehr Oma meines Mannes als die genetische Oma, pflegte ihn mit dem ersten "Kater", war immer interessiert und ansprechbar.
    Und es gibt auch Menschen mit Kindern, die im Alter trotzdem einsam sind, leider.
    Das Schicksal der Frau ist sehr, sehr traurig, keine Frage, aber trotzdem: Kinderlosigkeit ist nicht zwangsläufig Einsamkeit (im Alter) und umgekehrt bedeuten Kinder nicht zwangsläufig ein schönes Alter, wirklich nicht. Alles Liebe, Blüte

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    1. Da hast du wohl recht. Kinder schützen vor Einsamkeit nicht. Ganz bestimmt nicht. Auch das bekomme ich oft allein schon berufsbedingt mit :(
      Traurig ist es in der Tat. So oder so.
      In der Hoffnung, dass dann wenigstens noch eine Katze an meiner Seite ist...;)

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