Donnerstag, 19. November 2015

Auf der Suche

nach dem was ich gerade bin. Zwischen Gelassenheit und Kälte. Zwischen eigentlich-zur-Zeit-ganz-cool und Eisprinzessin.

Und ja es wird mal wieder ein vermutlich unschöner Wünsch-dir-was Post. Also wer lieber nichts unschönes lesen möchte dem empfehle ich nebenbei Schöneres. Zum Beispiel den Blog von Frau Glitzerbunt. Der ist nämlich ganz neu und zufällig der Blog meiner Lieblingsnähkünstlerin. 

So. Also.

Was meine momentane Stimmung angeht so bin ich gerade - ich weiß eigentlich gar nicht so recht was ich gerade bin... Das liegt daran, dass wir seit einiger Zeit das Kinderwunschthema aus unserer Beziehung verbannt haben. Bedeutet, wir leben ganz stinknormal. Mit allen Höhen und Tiefen. Die Tiefen sind nun leider nicht mehr mit Hormonen zu entschuldigen. Das waren noch Zeiten. Da hat man die Tiefen mit einem zuckersüßen Bambiaugenlächeln und dem Herausstrecken des Hormonbäuchleins wieder in den Griff bekommen. Jetzt sind sie einfach nur bescheiden, weil doch - allermeistens ich  - so bin wie ich bin. Normal. Nicht hormongesteuert. Aber auch nicht die Alte. Irgendwas dazwischen. Jemand, den ich selber nicht immer verstehe, geschweige denn der Lieblingsmann.

Beim Arbeiten läuft auch alles wie immer. So wie es bitterlicherweise die nächsten 31 Jahre laufen wird. Irgendwer muss halt arbeiten. Können ja nicht alle einfach so im Mutterschutz verschwinden und am Ende vielleicht gar nie mehr wieder kommen, weil sie unter Umständen einen viel tolleren Job gefunden haben, der sich mit Kind und Mann und Haus, Hund und Omma noch viel besser vereinbaren lässt. 

Ja na klar! Mensch ich könnte mir ja jetzt auch einen anderen Job suchen. Momentan hab ich keine Kinderwunschausrede mehr. Vielleicht mach ich das ja tatsächlich. Wenn ich mal irgendwann auch endlich soweit bin...in der Zwischenzeit ärgere ich mich lieber noch ein bisschen über dies und das...

So kommt es zum Beispiel vor, dass mich der graue Haaransatz meiner Kollegin fuchsteufels wild macht. Allein aus dem Grund, weil sie es mit ihren zwei Kindern so stressig hat. Und weil es dadurch ja soooo stressig und doof ist am Wochenende arbeiten zu können. Tja. Dumm gelaufen. Wir Deppen die immer da sind, müssen auch jedes zweite Wochenende ran - aber das ist ja auch nicht schlimm, denn wir haben ja keine Familie. Zurück zum Haaransatz. Ey - ich krieg es auch gebacken und wenn ich mir die Farbe nachts auf die Haare schmiere...aber ich verstehe das eben einfach nicht nehme ich an, weil das ja bei ihr ganz anders läuft. Sogar nachts vermute ich. Wegen der Kinder, wegen dem Mann der vielleicht neue Kinder will oder was weiß ich. Kann ich nämlich nicht wissen, bei mir ist das doch alles ganz anders. (Gott sei Lob und Dank) Dabei ist es eigentlich egal, wie selbige Kollegin durchs Leben schlurft, aber es regt mich auf, wenn jemand seinen Stress so offensichtlich durch die Gegend trägt und dann auch noch unschuldige Menschinnen dumm anmacht, weil sie, ach du grüne Neune, bestimmt aus reinem Egoismus keine Familie haben.

Kalt lässt mich irgendwie auch die nächste Schwangere im Team. War klar. Wer schon zwei hat, bekommt auch noch n drittes. Warum auch nicht. Schwanger - akzeptiert. Ich bin es einfach leid mich zu freuen. Also für alles und Jeden. Bin nur gespannt, wer jetzt den Nachtdienst arbeiten darf. Bis jetzt hab ich ja noch Glück...aber wer weiß wie lang mich meine Chefin da noch durchboxen kann. Garantiert nicht noch durch weitere Schwangerschaftsausfälle. 

Ich erfreue mich über sämtliche Bosheiten meiner Kollegen und denke mir zufrieden: Yes - ich bin nicht die einzig Kaputte. Meine Trauer all die Wut - momentan eher eine Art Gleichgültigkeit. Was bleibt auch anderes übrig. Wir haben dieses Jahr unser Fett abbekommen, da muss ich mir nicht noch selber weh tun, in dem ich allem nachsinne, was hätte sein können...was hätte werden können...warum nicht wir Mama und Papa sein dürfen...
Es ist mir egal ob im Netz oder draußen in der Welt offiziell die zweite oder dritte Runde eingeläutet wird. Das ist der Lauf der Zeit. Der Lauf bei dem WIR eben nicht mithalten können. Es fühlt sich nur komisch an, wenn dir so langsam aber sicher bewusst wird, dass du nicht mehr mitdriftest. Dass du langsam anhältst oder innehältst. Weder richtig mitfieberst noch gewissenhaft deinen altbekannten Weg gehst. Es fühlt sich komisch an, wenn du das Gefühl hast wie ein Außerirdischer durch die Gegend zu stolpern, weil es tatsächlich nur noch wenige Menschinnen gibt, die wissen wie sich DAS hier alles anfühlt. 
Auf dem guten alten Weg wusstest du von so vielen, ach jaaaaaaaaa...die verstehen mich. Die wissen was ich meine. Die machen gerade das Gleiche durch. Du warst irgendwie so 'gemeinsam'. Das wird jetzt weniger. Selbst die, die sich noch so gut an die Enttäuschungen und an die schweren Situationen erinnern, können irgendwann hier bald nicht mehr mitfühlen. Auch wenn sie es möchten. Weil für sie zum großen Glück vor der Station 'für immer kinderlos' Schluss war. Und die, die gerade das Gleiche durchmachen schreiben nicht darüber. Oder ich finde sie irgendwie nicht. Oder sie tauchen erst wieder auf, wenn sie sich ihres neuen Weges sicher sind. 

Leider bleibt bei all der Gleichgültigkeit das Glücksgefühl eher aus. Vielleicht fühle ich mich etwas ruhiger, zeitweise gelassener. Und doch ist und bleibt ein komisches Gefühl, wenn du manchmal innerlich so kalt bist, dass du vor dir selber erschrickst. Wenn alles so an dir abprallt. Wenn du allem so ein bisschen zuschaust. Von innen, durch die Scheibe. Wenn du über manches mitleidig lächeln musst, über manches leise den Kopf schüttelst, über manches einfach hinweg siehst. Ich schaue meistens doch zu, aber möchte nur wenig hören. Und bei Bedarf zieh ich einfach den Vorhang zu. Bestimmt eine weitere normale Reaktion in Sachen Verarbeitung...eine Phase...und ja sicher, es ist noch alles zu früh. Braucht noch mehr Zeit. Muss noch heilen. Alles normal. Sei nicht so streng mit dir. Es geht vorbei. Es wird besser. Oder so was in der Art.

Desweiteren muss ich fest an mir arbeiten, dass ich bei all meiner Coolness, Anderen gegenüber nicht ungerecht werde. Das ist ein ziemlich harter Brocken, der mir im Weg liegt. Einer um den du nicht so einfach drum rum laufen kannst. Da reißt man sich gern mal das Schienbein am herausstehenden Felsen auf. Weil ungerechte Gemeinheiten unglücklich machen. Hinterher. Wenn man dann bemerkt was eigentlich gerade in einem vorgeht. Hässliche Gedanken mit einem eisigen Lächeln auf den Lippen. Jaaaaa ich sagte doch - nicht schön... Es geht schon in Richtung Verbitterung. Und wenn ich mir an dieser Stelle doch noch etwas wünschen darf: ich möchte ungern als verbitterte kinderlose enden. Vor der sich jeder in Acht nimmt, weil sie vermutlich kleine Kinder mit Lebkuchen und pinken Zuckerstangen an ihr Häuschen lockt um sie dann im Ofen knusprig zu braten.

Ja und bedauerlicherweise geht vor lauter "Selbstmitleid" so viel Herz verloren. Und ich liebe Herz. Und ich liebe Sanftheit und ich liebe Wärme. Und wisst ihr was? Ich kämpfe darum, dass ein bisschen Wärme zu mir zurück kommt. Auch wenn ich dabei vermutlich noch oft mein Krönchen richten muss. 

Herzwärme ist so unglaublich wichtig in Zeiten wie sie gerade da draußen in der Welt toben. Herzwärme ist so wichtig für Menschen und Menschinnen, die es gerade in meinem Umkreis so sehr brauchen. Ich möchte bitte nicht erfrieren und ich möchte auch nicht, dass mich der Sturm wegfegt. Ich halte fest dagegen. Versprochen.

Kommentare:

  1. Liebe wütende Wünschi,

    ich bin hier.
    Und ich bin da.
    Und da wo Du bist, war ich schon.
    Falls das hilft ;)

    Und nope - Du bist nicht allein.
    Und Du bist kein Alien ;)
    Es fühlt sich aber so an. Ich weiß.

    Sei wütend. Sei's halt. Das ist sogar mehr als überlebenswichtig.
    Sei ungerecht. Sei's halt. Das gehört auch dazu.
    Alles. Das.

    Schreib weiter - schreib dagegen an. Schreib Dich rein und schreib Dich dadurch. So wie Du es immer getan hast.... Frei nach dem Motto: ich weiß nicht, was ich darüber denke solange ich nicht drüber schreibe ;) So geht's mir jedenfalls immer.

    Was aber auch sehr hilfreich ist, ist die Wut körperlich abzureagieren. Da, wo Du niemandem weh tust, versteht sich ;) Boxsackloppen soll helfen. Auf Baumstämme einprügeln. Rennen. Tapeten abreissen. Was auch immer. Die Energie MUSS raus. Und nur auf gedanklicher Ebene wird das Ventil zu klein sein.

    Über ProFamilia hat übrigens jeder in dieser Situation Anspruch auf kostenfreie Beratung - ich glaube bis zu 6 mal. Viele BKID-Berater sind auch bei ProFamila angesiedelt. Manchmal hilft es einfach auch, mit einer neutralen Person den (Entscheidungsfindungs-) Prozess zu sortieren. Kannze Deinen Männe gleich mitbringen ;)

    Knutsch, Isa

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  2. Ich drück dich feste. Weil ich schlicht nicht mehr tun kann. ♥

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  3. Liebste Wünschi,
    eigentlich bin ich im Moment Kommentarmäßig und Blogmäßig abgetaucht, bei mir und bei anderen. Aber hier unterbreche ich meine Tauchfahrt gerade mal. Weil deine Worte mich so stark berühren, deine Emotionen so klar vom Monitor schreien, weil ich teilweise da auch so durchgegangen bin, wie du das beschreibst. Isa hat es so treffend gesagt, ich kann dem eigentlich nichts mehr hinzufügen nur vielleich dir meine selbt erlebte Gewissheit geben: es wird anders, versprochen! Ich habe mich durchgewurschtelt und bin nicht als verbitterte Frau ohne Kind raus gekommen aus dem zeitweiligen Tunnel, in dem ich steckte. Am Ende des Tunnels ist ein Licht, ganz echt! Heute lebe ich mit den Erinnerungen und Erfahrungen dieser intensiven Zeit, die die letzten 4 Jahre in dem Aspekt des Kinderwunsches (und nebenbei noch allerlei anderen Hürden) gebracht hat und bin wieder glücklich, anders glücklich, reifer irgendwie, aber nicht schlechter glücklich, ganz definitv nicht! Was ich im Moment absolut genieße (aber auch erst seit ganz kurzem wieder), ist Sport, viel Sport, Yoga, Pilates, Aqua Zumba, hauptsache Bewegung. Die einzige Zeit, in der der Kopf mal stillsteht (generell meine ich), ist wenn ich schlafe oder Sport mache. Vielleicht ist das ja auch etwas für dich: sportel dir den Kopf frei, den Frust von der Seele und flute deinen Körper mit Adrenalin und Endorphinen. Zumindest in der Zeit wirst du dann vielleicht etwas Ruhe finden können. Das wünsche ich dir jedenfalls von ganzem Herzen!!! Und du bist nicht allein, ganz sicher nicht :*
    Ich drücke dich fest!
    Deine Tante Öko, die jetzt erstmal wieder abtaucht ;)

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  4. Liebes :'(
    Fühl dich bitte mal ganz fest und lieb gedrückt.
    Ich weiss genau wie es sich anfühlt. Momentan wo alles um uns herum schwanger wird - man selbst aber immer noch auf der anderen seite steht. Einsam. Auf verlorenem posten ;(
    Aber süße, fühl dich bitte nicht allein.
    Wir können auch einfach ein bisschen mehr zusammenrutschen... und ich stolpere auch gerne mit dir wie ein außerirdischer durch die straßen.
    ♥♥♥

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  5. Liebste Wünschi,
    ich bin nicht in deiner Situation, und kann deinen Schmerz daher nur ansatzweise nachempfinden. Aber ich erahne wie es sich anfühlen muss und was da gerade für ein Chaos zu sein scheint.
    Isa und Tante Öko konnten es aber in der Tat nicht besser ausdrücken. Lass es raus und sorge für dich, dass es dir gut geht.
    Ich drücke dich ganz feste! Wir fangen dich auf.

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  6. Liebe Wünschi, diesen Post hätte auch ich genauso schreiben können (okay, vielleicht bin ich nicht so gut im ausformulieren ;o) ). Na ja jedenfalls sieht es in mir drin genauso aus wie in Dir. Ich rede momentan nicht darüber, ich schreibe nicht darüber. Aber ich bin da - emotional an Deiner Seite. Du bist nicht allein. Es gibt so viele. Ich denke an Dich und lass eine herzliche, warme Umarmung für Dich da *Drück*

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