Samstag, 31. Oktober 2015

Aus Enttäuschung wird wieder Wut...repeat...and repeat...and repeat...

Was ist das nur? Wir halten uns an den Händen aber können die Balance nur schwer halten. Er ist so viel lockerer als ich. Er sagt: ok - jetzt machen wir erst mal gar nichts. Dann sehen wir weiter. Punkt. 
Das macht mich je nach Tagesverfassung rasend. 'Dann sehen wir weiter' kann so in etwa alles und nichts heißen. 
Ich weiß nicht mehr worauf ich mich einstellen muss. Ich hätte verdammt noch mal so gern einen Plan. Etwas klares. Etwas echt greifbares. Womit ich etwas anfangen kann. 
Was soll ich weiter sehen. Auf ein weiteres Negativ? Auf ein weiteres Loch? Auf eine weitere wieder so unbestimmte Zeit in der weder ein entspannter Urlaub und ein Abschalten möglich ist? Mein Mut und der Glaube an etwas, das für uns sind wir mal ehrlich, in nahezu unerreichbare Weite gerückt ist, sind gänzlich hinüber. Wen wundert´s. 

Die vergangenen zwei Jahre, hab ich immer wieder über den Abgrund geschielt. Bin doch immer wieder zurück gelaufen. Wieder auf einem anderen Weg. Aber immer irgendwie in die gleiche Richtung: Abgrund. Andere Wegweiser scheint es auf unserer Strecke nicht zu geben. Einmal bin ich sogar mal runtergefallen. Wer mich wieder an den Anfang der Strecke gestellt hat, kann ich gar nicht genau sagen. Vermutlich war es die Hoffnung. Oder vielleicht auch die Verzweiflung. Ich verwechsle die beiden immer. Könnte aber auch die Angst gewesen sein. Die Angst, vor dem großen FÜR IMMER. 
IMMER - das große Wort. FÜR IMMER ohne Kinder. Was daran macht so Angst? Für IHN habe ich mich doch auch FÜR IMMER entschieden und es war gar nicht schlimm.  

Der Lieblingsmann kann FÜR IMMER gerade nicht stehen lassen. Für ihn ist das Thema nicht durch. Er sagt nur: wir wissen beide nicht was uns das Leben bringt. Wir wissen beide nicht wie wir in einem halben Jahr fühlen. Und widerwillig gebe ich ihm recht. Das weiß keiner. 
Er sagt schon auch, dass er darüber nachdenkt, dass es vielleicht auch besser ist einfach alles so zu lassen wie es ist. Dass wir das alles vielleicht nicht nochmal durchmachen wollen und auch können. Dass wir einfach dieses Glück nicht haben. Und trotzdem will er sich nicht festlegen. Er kann mir eben einfach keine Antwort geben auf die simple Frage: Was machen wir denn jetzt...

Ich denke bloß, sehen die Anderen das denn nicht, dass der ganze Zustand all das was dazu gehört irgendwann mal aufhören muss? Die ständigen Spritzen, Pflaster, Pillen, Gels, Pülverchen, Kügelchen, Tränen, Reibereien. Der ständige Wecker auf dem Handy: oh es ist Zeit für den Picks. Oh jetzt die Tablette. Oh heute wieder Termin. Die Blutungen hinterher. Ich blute im übrigen heute den 10. Tag so vor mich hin. Klar ist ja völlig normal, weil ja wieder mal alles durcheinander ist...ja und wie! Und ich bin echt sauer deswegen. Weil wieder mal alles durcheinander ist. Hier zuhause, in meinem Körper...überall. Und wieder schlägt die Trauer in so eine unglaubliche Wut um.

Natürlich weiß ich leider genauso gut, dass sich Entscheidungen ändern können. Sie haben sich bisher in unserer Geschichte immer geändert. Man kann felsenfest von etwas überzeugt sein - und am Ende wirft man doch alles über den Haufen. Hoffnung? Verzweiflung? Angst? 

Und doch will ich ihn von Herzen sein Tempo gehen lassen. Er lässt mich doch auch. Und ich bin ihm jeden Tag so dankbar dafür, dass er das alles erträgt, mich aushält, mit mir redet, mich festhält, meine Tränen trocknet. Sollte ich da nicht einfach seine Meinung so stehen lassen? Sollte ich vielleicht meine ganze Kontrolle und Planung über Bord werfen und versuchen loszulassen? Spontan sein? (Wie ich dieses Wort allein schon hasse) Mir die Situation zugestehen, dass der Wunsch für unser Baby einfach mit uns geht? Vielleicht geht er nicht weg, aber vielleicht kann er irgendwann nicht mehr mit uns mithalten, weil wir eben doch einen Schritt schneller gehen. Weil wir doch irgendwann sagen können - hey es war eine aufregende Zeit mit dir, aber jetzt such dir ein anderes Opfer, wir haben unser gemeinsames Baby im Herzen und den Weg, den wir bis hier her miteinander gegangen sind ebenfalls...
Um nichts auf der Welt will ich ihm und uns im Weg stehen. Zu gern würde ich ein wenig von seiner Art haben wollen. Seine Ruhe. Seine Hoffnung. Nur ein klitzekleines bisschen so wie er...und ich hätte vielleicht nicht so große Angst vor dem was kommt. Ich will uns nicht im Weg stehen...mit einer Entscheidung, die ich vielleicht treffen würde. Für mich. Und genau das ist mein Problem. Das zwangsläufig zu unserem wird...

Die Angst egal wie du entscheidest - es könnte falsch sein. Und wir könnten es irgendwann bereuen. Den Abschied...oder einen weiteren Versuch. Die Entscheidung, die dir niemand abnimmt, bei der dir niemand helfen kann. Die Hilflosigkeit, das verloren sein, das zerrissen sein, das ist so ziemlich das Gemeinste - nebst Trauer und bitterer Enttäuschung, was uns auf unserem Weg begleitet...all das wird uns noch die nächsten Wochen und Monate immer wieder neu herausfordern und belasten...

Prima. Läuft wieder. Wie immer würde ich sagen. 




Kommentare:

  1. Liebe Wünsche,
    Pläne zu haben ist toll. Wir können sie abarbeiten und am Ende erreichen wir das gesteckte Ziel. Nur leider ist das Leben nicht so. Leider musstest du das schon viel zu oft erleben.

    Mir hat es geholfen zu erkennen, dass die Natur nichts von Plänen hält und auch ich mit der besten und ausgereiftesten Excel-Datei nicht dagegen ankommen kann.
    Es ist schmerzlich das zu akzeptieren, aber es hilft dadurch ein wenig gelassener in die Zukunft zu schauen.

    Ich wünsche dir, dass auch du den richtigen Weg für dich findest mit dieser Nerven zerreisenden Situation umzugehen.

    Ich denke an dich.
    LG

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  2. Fühl dich umarmt!
    Mit meinem zweiten Mann wünschte ich nichts sehnlicher als ein Kind. Aber es wollte einfach nicht klappen. Dann hatte ich eine schwere Wirbelsäulen-OP und den Rat bekommen, die nächsten 2 Jahre nicht schwanger zu werden.
    Wir suchten uns einen Hund aus und nahmen das so hin. Und dann passierte etwas merkwürdiges. Ich wollte eine Freundin mit Kinderwunsch aufheitern. Ich erzählte ihr von Bestellungen ans Universum und sie sollte sich doch einfach ein Kind bestellen.

    Sie glaubte nicht daran und lachte darüber. Dennoch kam sie alle 2 Tage und fragte, wie denn das mit den Bestellungen gehen soll. Irgendwann fand ich eine Seite, auf der der Bestellprozess ähnlich wie bei einem Katalog ablief. Bestellung eingeben, Lieferdatum eingeben und liefern lassen.

    Wir saßen vor dem Rechner und sie hatte Angst. Dann meinte ich, ich würde es ihr zeigen. Ich schreib also (eigentlich für sie) : "Ich bestelle ein gesundes, blondes Kind mit einem freundlichen Wesen. Ein Kind, dass zu uns passt." Lieferdatum für die positive Nachricht "bis 30.12. 2003" Und ich vergaß diese Bestellung.

    Im Dezember ging ich zu einer Routineuntersuchung. Am 18.12.2003 erfuhr ich, dass ich schwanger bin. Leider war zu dem Zeitpunkt noch nicht klar, ob ich das Kind austragen könnte, da das Gelbkörperhormon nicht ausreichend war. Am 23.12. erfuhr ich, dass sich dieses Problem normalisiert hat und ich das Kind bekommen würde. Wäre da nicht die Wirbelsäulen-OP gewesen. Ich setzte das Morphium ab und habe fast die ganze Schwangerschaft gelegen, aber jetzt ist meine Bestellung schon 11 Jahre alt.

    Man weiß nicht, wie das Leben spielt und man kann nur für sich selbst bestellen, habe ich daraus gelernt

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  3. Kann ich bitte.danke einen Schnaps haben.

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    1. Das ging NICHT @Wünschi. Is klar, ne.
      Ich komm später wieder, dat geht grad gar nicht....

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    2. Für mich auch einen, bitte. Einen Doppelten. *stöhn...*

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    3. Und wo bitte ist die Wand, gegen die ich meinen Kopf hauen kann?

      Aaaaarrrrggggh

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  4. Meine liebe Wünschi,
    alles gerade ganz schön heftig bei dir und sowas von nachvollziehbar. Niemand von uns wird in der Lage sein euch beiden eine gute Empfehlung zu geben. Ich wünschte jedoch, dass ich es könnte. Dass ich dir einfach so aus der Tasche ein Patentrezept zaubern könnte. Aber das kann ich nicht.
    Ich lese gerade unterschiedliche Bedürfnisse aus deinem Post heraus, aber vielleicht lese ich ihn auch falsch.
    Habt ihr jemand Drittes und Unabhängiges mit dem ihr das besprechen könnt?
    Obwohl ich erst ganz am Anfang stehe, haben wir jetzt schon eine ähnliche Situation in unserer Beziehung: er glaubt daran, dass es in jedem Fall klappen wird und ich lasse schon nach unserer ersten Niederlage den Gedanken zu, dass sich unser Wunsch vielleicht niemals erfüllen wird. Wie soll man diesen Konflikt erst lösen, wenn noch weitere Negativs dazukommen sollten? Dafür hat die Repro-Medizin leider keine Antwort parat.
    Da wird uns von der Reproduktionsindustrie erzählt, dass jeder hoffen darf. In unseren Blogs und den Kinderwunschforen lesen wir, dass es manche Frauen beim 8. Versuch dann doch geschafft haben. Der Erfolg scheint all die erlebten Strapazen zu rechtfertigen. Wenn man die Ärzte fragt, werden sie einem vermutlich nie sagen, dass es keinen Sinn macht und geben einem wieder diese Hoffnung zurück. Diese verdammte Hoffnung.
    Hoffnung ist der verdammte Grund, warum wir Frauen uns das immer wieder antuen werden. Manche kommen am Ende auch tatsächlich ans Ziel. Und jetzt steht ihr beide - oder eher nur du? - vor dieser verdammten Entscheidung, ob ihr weiterhin hoffen wollt.
    Ich wünsche dir nichts mehr, als dass du und dein Mann einen gemeinsamen Weg finden werdet. Einen Weg mit dem ihr beide glücklich werdet, mit dem ihr beide sehr gut weiterleben könnt.
    Egal wie es für euch weitergehen wird in Sachen Kinderwunschweg - es ist euer Weg, der richtige Weg. Achtet beide darauf, dass ihr dabei aber bei euch bleibt, euch nicht verliert, ehrlich zu euch selbst bleibt.
    Alles, alles Liebe!

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  5. Liebe Wünschi,
    ist es noch Hoffnung.... oder einfach nur noch Verzweiflung?
    Was ist die richtige Entscheidung.... gibt es die richtige Entscheidung überhaupt? Oder wird die getroffene Entscheidung irgendwann einfach "von alleine" "richtig"?
    Du stellst dir die gleichen Fragen wie ich mir zur Zeit. Die Angst, die getroffene Entscheidung irgendwann zutiefst zu bereuen...... man hat davor solche Angst....
    Darf man solch eine Entscheidung treffen, für sich? Allein? Mit der Angst im Hinterkopf, wenn man weiter macht, irgendwann daran kaputt zu gehen?..... Denn diese Entscheidung trifft man nicht nur für seinen eigenen Lebensweg.... sondern auch für den Lebensweg des wichtigsten Menschen in seinem Leben.....
    Ach mensch, es ist so schwierig, warum kann einem einfach nicht jemand sagen, wie es geht..... warum muss man da alleine mit sich selbst da durch? Ich glaube anders geht es nicht......
    Fühl dich einfach ganz fest gedrückt.... (eine etwas verwirrte) Bluete83

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  6. Meine liebe Wünschi,

    ich weiß sehr genau wie Du Dich fühlst. Man kommt sich so perspektivlos vor - alles scheint keinen Sinn zu machen. Ich brauche auch immer einen Plan und nach unserem letzten Negativ gab es diesen nicht mehr. Stillschweigend hatten wir entschieden, uns vorerst um andere Dinge in unserem Leben zu kümmern, wie eben der Umzug zurück nachhause. Das hat zwar gut getan, dennoch wusste ich, dass wir die "andere Sache" einfach nur vor uns herschieben und ich weiß bis heute nicht, wie wir uns entschieden hätten. Richtig oder Falsch? Leider nimmt einem das niemand ab. Ich hoffe sehr für Dich, dass Du etwas zur Ruhe kommen kannst. Dass Du Dein Gleichgewicht wieder findest und ganz vorneweg natürlich, dass Ihr das zusammen gut meistert. Ich drück Dich wahnsinnig fest - ich denk an Dich!!! ♥

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  7. Oh ja, dieses ewige Hin und Her. Enttäuschung. Wut. Und was weiß ich nicht noch alles. Schrecklich.

    Er macht das anders wie du. War hier auch so. Ist hier immer noch so. Er ist eben anders. Auch wenn wir es manchmal so empfinden: Schlimm ist das nicht. Und wir dürfen trotzdem so sein wie wir sind. Und damit umgehen wie wir das eben tun.

    Es gibt vermutlich keinen Rat, keinen Tipp oder sonst irgendwas das euch hilft. Leider. Aber vielleicht arbeitet ja die Zeit ein wenig für euch. Und in ein paar Tagen, Wochen, Monaten seht ihr ein bisschen klarer. Ich glaube, manchmal können wir hier und jetzt tatsächlich keine Entscheidung treffen. So bescheuert das auch ist. Vor allem dann, wenn wir bittedanke unbedingt eine Entscheidung wollen.

    Ich drück und herze dich ganz feste. Und wünsche euch von ganzem Herzen alles Liebe und viel Kraft. Ihr schafft das. Da bin ich sicher. ♥

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