Samstag, 19. September 2015

Der Zauber des Herbstes

Langsam werden die Tage kühler. Der Wind wird stürmischer. Immer mehr Regen kommt mit dazu. 

Es macht wieder Laune, sich einen heißen Tee zu machen. Es fühlt sich wieder toll an, die kuscheligen Wollsocken aus der Schublade zu kramen. Mit Wärmekissen auf dem Sofa zu kuscheln. Sich am Abend bis zur Nasenspitze zudecken und wieder mal vor dem Fernseher zu lümmeln. 

Es fühlt sich gut an, wenn die Wohnung nach frischgebackenem Kuchen duftet, denn das tut sie jetzt eine ganze Weile, weil das Fenster nicht den ganzen Tag offen ist und den leckeren Duft entweichen lässt. Es fühlt sich gut an, wenn sich die Kater auf deinen Bauch legen oder unten auf die kalten Fußspitzen um sie dann mit ihrem kuscheligen Fell zu wärmen. Es ist schön, wieder deftiges Soulfood zu kochen. Es ist toll, die Pflaumen vom eigenen Baum zu pflücken. Es macht auch ein bisschen Spaß die Flipflops in den Keller zu bringen und andere Schuhe aus dem Keller zu holen...Herbstschuhe...Boots ♥

Es fühlt sich komisch an, weil jetzt das Jahr zum Greifen nah zu Ende geht. Es fühlt sich komisch an, weil wir kein Herbstbaby bekommen werden. Das macht den Herbst etwas einsam. Auch die Tatsache, dass um uns herum wundervolle Dinge geschehen, macht den Herbst ein wenig einsam. Und doch gleichzeitig zu einem Wunderbaren. Denn so kann der Herbst eben auch sein - voller kleinem Glück. Man muss nur hinschauen...

"Der Herbst bedeutet was du aus ihm machst..."

Noch bin ich mir nicht sicher was ich aus diesem Herbst machen soll. Er gefällt mir. So rein äußerlich. Zu Hause in der Wünschehöhle. Wenn ich einfach nichts machen soll muss. Wenn ich einfach nicht weiter denken muss. Wenn ich meine kleinen Glücksmomente entdecken kann (und das tue ich nach wie vor jeden Tag). Wenn ich meine Ruhe habe. Dann gefällt mir der Herbst.

Mir gefällt er weniger weil ich nicht einfach vergessen kann. Weil unser gemeinsamer Urlaub jetzt zu Ende ist. Weil Herbst wohl auch Neuanfang bedeutet. Weil ich unglaubliche Angst habe vor dem was kommt. Weil sich vieles nicht wirklich - nicht richtig anfühlt. Weil ich viele Kerzen anzünden muss, um manchmal nicht im Dunkeln Angst zu bekommen. In mitten unserer kleinen Familienkuschelhöhle wohnt immer noch eine kleine Traurigkeit. Ich fühle mich in manchen Momenten wie der größte Außenseiter, eine die auf ganzer Linie versagt hat. Ich bekomme Gänsehaut von der innerlichen Einsamkeit, die sich manchmal so kalt und leer anfühlt.  Da hilft oft nicht mal mehr die heiße Suppe...

Mir gefällt der Herbst nicht, weil es außerhalb der kleinen Glücke um uns herum viele schlechte Nachrichten gibt. Der Chef meiner Schwester hat den Xten Bandscheibenvorfall, jetzt hat er aufgrund einer seltenen Nervenentzündung eine Fußheberschwäche, seine Frau hat Brustkrebs. Die Praxis bleibt wohl bis auf weiteres geschlossen...der Sohn eines Freundes meiner Schwester ist mit 30 Jahren gestorben, ein 19jähriger verunglückt in den Bergen, ebenfalls ein Bekannter meiner Schwester. Meine andere Schwester kämpft mal wieder mit sich und mit dem Leben. Der Sohn meines Bruders hat eine sehr schlimme Form von Epilepsie. Ich lese eine traurige Email, wieder jemand tödlich verunglückt. Und die Mama meiner lieben B., die gegen den beschissenen Krebs kämpft. Traurig nicht? Und grau-herbstlich. Und es ist doch meistens im Herbst so oder? Oder man nimmt es anders wahr. Was weiß ich. 

Es ist gut, dass es sich doch noch ein wenig die Waage hält. Das Glück auf der einen Seite - für das man Luftsprünge macht, wegen dem man immer wieder Lächeln muss. Das Leid auf der anderen Seite - wo man einfach mitweinen muss. Wo man seine Probleme am Liebsten in die Tonne kicken möchte, weil diese Art von Leid einfach schwerer wiegt. 

Irgendwie ist es doch so: Der Herbst macht dieses Jahr genau das was ER will...er zieht sein Ding durch, wie die Jahre zuvor eben auch. Er hat mich noch nicht wirklich verzaubert. Nur für die kleinen oben genannten Momente macht er an manchen Tagen eine Ausnahme. Da zaubert er mir sogar manchmal ein fettes Lächeln ins Gesicht. Aber durch diese wankelmütige Art von ihm, fällt es mir ein wenig schwer, ihn mit dem "Gefälltmir" Button zu belohnen. Ich finde da muss er sich schon noch mehr anstrengen...er bekommt maximal hier und da ein paar Likes...

Was übrigens hilft: Ist diese wunderbare Beschreibung vom Herbst - danke liebe Nenu dafür ♥ 

Kommentare:

  1. Ich weiß nicht was ich sagen soll. Mir fehlen die passenden Worte. Ich krieg sie nicht zusammen.

    Aber: Ich bin da. Auch wenn das derzeit wohl leider nichts hilft. Aber ich bin es trotzdem. Immer. ♥

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    1. Das weiß ich Liebes und ich bin dir unendlich dankbar dafür ♥
      Es tut gut, dass du da bist ♥

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