Freitag, 24. Juli 2015

Der Sommer hat ein Loch.

Das mit meinem/unserem Sommer meine ich. Die Freiheit schnuppern. Die Unbeschwertheit an der Hand nehmen und mit ihr ne Flasche Hugo trinken.

Es wird wohl nichts.

Es mag wohl mal gut gehen. Ein paar Tage, vielleicht eine Woche. Dann kommt es zurück. Entweder die Traurigkeit, oder die Wut. Oder beides. Verbunden mit einem Strom aus Tränen. Ein Hauch Verzweiflung. Bitter, Verlustangst, alles miteinander.

Es hat mir tatsächlich nicht mehr so viel ausgemacht. All die Babys. All die Schwangeren. Sicher, der Freudentaumel bleibt meistens aus, aber das erwartet vermutlich auch keiner. 
Und jetzt...letzten Samstag zum Beispiel. Wir sind auf einer Party. Anfangs völlig abgegrenzt. Die Hauptrolle spielt eine kleine Wundermaus. 4 Monate alt. Die, die unsere Freunde sind, sitzen mittlerweile an einem Extratisch. ("Ach nee komm wir machen einen eigenen Tisch auf") Dem Mama-Papa-Kindertisch. Da ist erst Platz für uns als die Mama mit den Baby nach Hause geht. Dann wenn man von Wasser zu Bier über geht. Eine andere Mama ist geblieben. Und sie hat sich schrecklich gelangweilt. Und sie war so müde. Ist ja klar...die Kinder und so.
Wir sind einfach anders. Wir gehören offiziell irgendwie nicht mehr dazu. Wir sitzen offiziell am anderen Tisch. Am Ende wird noch offiziell bemerkt, dass der Jüngste in der Runde Papa geworden ist. Bei den jüngsten sind wir schon lange nicht mehr dabei. Raus. So schnell geht das.  
Die kleine Wundermaus bewirkte in mir, dass sich alles doppelt-, dreifach so schlimm anfühlte als sonst. Ich kämpfte den halben Abend irgendwie mit den Tränen, schluckte den aufkommenden Kloß gefühlte 1000mal runter und war so unendlich traurig. Über die Situation, über den meinen Zustand, über uns, einfach über alles. 

Warum nur haben wir noch einen weiteren Versuch gestartet. Warum nur haben wir es einfach nicht ruhen lassen. Warum nur stehen wir jetzt wieder vor der Entscheidung was wir tun. Warum hört das nie auf. Warum sind wir nicht fähig dazu, einfach die Türe zu zu machen. Warum kann ich noch keine Dankbarkeit fühlen für das was passiert ist. Warum will ich es nicht gehen lassen...Warum das alles. Es hat es so viel schlimmer gemacht. Ich wünschte manchmal das alles wäre nicht passiert. Dieser Versuch. Dieser Test. Dieser Schmerz der immer noch so sehr im Herzen sitzt. 

Es wäre so erleichternd die Hoffnung einfach aufzugeben. Denke ich. Und doch ist der Gedanke an die Erleichterung mit so viel Traurigkeit verbunden. Es wäre vielleicht so vieles einfacher...und doch hieße es, es wäre für immer vorbei.

Und dabei weiß ich, dass es das längst ist. Selbst wenn...es wird ja doch kein Baby für uns geben...


Da sitze ich in meinem ganz persönlichen Sommerloch. 

Im Schatten...traurig. Stimmungstechnisch zuhause auch überhaupt kein Knüller. Der Lieblingsmann wirkt unzufrieden. Liegt es an mir? Der Lieblingsmann wirkt gestresst. Liegt es an mir?
Ich vermisse die Innigkeit. Liegt es an mir? Ich vermisse die lieben Worte. Liegt es an mir? 

Ist es das, was irgendwann mal kommen muss auf dem Weg den wir gerade gehen? Dass man sich vielleicht verliert, wenn man sich nicht fest genug an der Hand hält? Dass man sich irgendwann überdrüssig wird, weil sich nichts ändert. Weil Stillstand herrscht? Dass man sich vielleicht auf die Nerven geht, weil man sich eine Zeit lang zu fest an der Hand gehalten hat?

Die olle Angst ist immer da. Angst alles zu verlieren. Verloren habe ich sowieso schon. Aber es fühlt sich noch viel mehr leer an. Mein Herz. Mein Kopf. Mein Zuhause. Mir fehlt die Liebe. Und wenn es nun tatsächlich schwer ist mich zu lieben? Wenn nun dieser blöde kleine Satz "es ist echt schwer dich lieb zu haben" bitterernst gemeint war? Und vermutlich war er es, denn sonst wäre irgendwann für mich eine kleine Erlösung gekommen. Aber sie kam nicht...

Und wenn wir mal irgendwann überm Berg sind? Ist es dann so wie wir uns das vorstellen? Frei? Erleichtert? Endlich zufrieden? Oder kommen wir an, kucken komisch und alles ist am Ende genauso bedröppelt wie der Sommer, den ich mir in so bunten, fröhlichen Farben ausgemalt hab?

Und wieso fällt es mir so schwer, dass ich ihm nicht eingestehe, dass er mich in manchen Situationen blöd finden darf? Er darf das. Man darf den Anderen mal blöd finden. Ist ja ganz normal in 365 Tagen Gemeinsamkeit. Für mich ist das jedes Mal ein Tritt in den Hintern. Mit dicker Schnute denke ich mir dann - er muss mich einfach lieb haben. Dieses verdammte beschissene Jahr muss er das. Er muss einfach. 

Aber er ist eben nicht so wie ich. Und das ist möglicherweise auch gut so. Und das hält uns möglicherweise ein bisschen über Wasser, wenn der Wind das Wünscheboot rüttelt. Dass er anders ist als ich. Dass er mich mal blöd findet und vermutlich doch liebt. Sehr. Sonst wäre das alles bis hier her undenkbar. Oder? 

Es ist wie es ist. Etwas aushalten war noch nie meine Stärke...jetzt muss ich ;)

Kommentare:

  1. Oh liebe Wünschi :( :(
    Dein Beitrag hat mich sehr sehr berührt und es tut mir in der Seele weh, dass dein Sommer dieses blöde Loch hat!!! Ich schicke dir ganz ganz ganz viele lochstopfende Kraft rüber :*
    Es ist das schlimmste an dem unerfüllten Kinderwunsch, wenn die Partnerschaft darunter leidet und auch immer meine größte Angst gewesen.
    Und ich denke für alle unsere Männer ist es manchmal schwer auf diesem Weg mit uns. Genauso aber auch oft genug anders herum. Weil sie eben nicht das fühlen können, was die Hormone mit uns machen, wie du so absolut passend in deinem letzten Post beschrieben hast. PMS du alte Sch***!!! Es ist wirklich so, als ob frau fremdgesteuert wäre und sehenden Auges in ihr Verderben rennt, weil die innere Stimme, die schreit "Aufhören, ich will so nicht sein, ich bin so nicht, Schluss damit!" kein Gehör findet bei dem PMS-Monster. Kenne. ich. total. gut! Und die Männer sind eben nicht die, die sich damit anfreunden müssen, dass der Bauch sich vielleicht nie runden wird wegen eines Babys darin. Ihr Bauch würde das ja so oder so nicht tun. Ich spreche ihnen damit um Himmelwillen nicht ab, dass sie nicht mindestens genauso trauern wie wir! Aber dass uns dieser ganze Mist vielleicht aus ihrer Sicht "schwerer lieb-habbar macht" und dass das uns selbst immer am besten bewusst ist, wie wir nach außen dann auch noch wirken, das können sie wohl leider nicht immer trennen. Ich wünsche euch so sehr, dass euer Wünscheboot bald wieder sanft und gemütlich dahin gleitet und nicht mehr geschüttelt wird.
    Fester Drücker! :*

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    1. Danke du Liebe ♥
      das stimmt, wenn sie es nur einmal auch körperlich fühlen könnten...ich glaube schon auch, dass es ihm weh tut, wenn er mich so kämpfen sieht. Ganz ganz bestimmt. Aber wie du sagst, es wäre schön, wenn sie es trennen könnten. Damit ich nicht immer das Gefühl habe, Monat für Monat etwas mehr Glück zu zerstören. Weil schließlich bin ich es die es irgendwie wohl nicht gebacken kriegt...und schließlich bin ich es, die sich wohl irgendwie immer mehr verändert und schließlich bin ich es, die vielleicht irgendwie dann schuld ist, dass das Boot dann schwankt...

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  2. Ich kann nicht viel schreiben, weil deine tiefe Traurigkeit in deinen Worten so gegenwärtig ist. Weil sie weh tut. Ich mag dir nur sagen, dass du ganz bestimmt extrem liebenswert bist. Ich habe mal gesagt: Als (Ehe)Paar muss man such nicht jeden Tag mögen. Oder gut finden. Es ist nur wichtig, dass man immer einander liebt.

    Ich glaube so meint es auch dein Herzmann. Er findet dich zwischendurch kurz doof, liebt dich aber ganz sicher wie verrückt.

    Ich hoffe das Wünschiboot wird nach dem heftigen Sturm irgendwann in ruhige, zufriedene Gewässer einkehren. Wie auch immer euer Hafen aussehen mag, möge er euch diese Zufriedenheit geben, die letztlich ein Jeder braucht!

    Deine Penny

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  3. Meine süße, dein beitrag hat mich so sehr gerührt... es ist alles so wahr, so echt. Ich finde mich in deinen zeilen wieder und kann deinen schmerz, deine ängste, die wut und hoffnungslosigkeit zu 100% nachvollziehen.
    Zu gerne würde ich dir einen ratschlag geben, habe aber keinen. Ich kann dir nur sagen dass ich für dich da bin und auf meiner party immer einen platz für euch beide an meinem tisch freihalten würde.
    ♥♥♥

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    1. Ach, vergessen: WTF soll das mit dem Tisch? Ich kenne den Katzen/Kindertisch. Und den finde ich supi: Die Kinder sitzen dort beieinander (sofern sie das können) und die Eltern sind weeeeeeeit weg davon sitzend. 😂

      Ansonsten: Sowas gibbet hier nicht. Eltern-Kind-Tisch. Dis haben ja nen Knall.

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    2. Das ist lieb Peachi, mit dir würde die Party bestimmt auch echt Spaß machen ;)
      @Penny: ja finde ich auch...:(

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  4. Ich setze mich jetzt einfach zu dir. In dein Loch. Bringe meins leider auch mit. Dafür aber auch ne Flasche Hugo. Oder zwei. Und dann... sitzen wir da eben.

    Manchmal ist das Leben leider scheiße.

    Aber eines noch: Wenn man sieht wie er dich anschaut, wie sein Blick auf dir ruht, dann weiß man dass er dich liebt. Sehr.

    Drück dich, Süße ❤️

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    1. Hugo, mit dir im Loch sitzend...okeeeeeeeee.

      Ach Süße ♥♥♥
      Und ich drück dich zurück!

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