Montag, 1. Dezember 2014

Lieber Gott...

...wenn es dich gibt...oder wenn du irgendwo da draußen bist hätte ich heute mal ein paar Fragen an dich.

Ich möchte dich fragen, wieso das Leid mancher Menschen so groß ist? Warum manche Menschen so bitter kämpfen...kämpfen um ein Wunder, kämpfen um ihr Leben...

Ich möchte dich fragen, warum du manchmal so entscheidest. Warum du nicht irgendwann das Blatt drehst...damit sich doch noch alles zum Guten wendet...ich möchte dich fragen, warum wir deine Hand nicht sehen, sie nicht greifen können, wenn wir sie brauchen? 

Warum du von Jemandem so weit weg bist, obwohl er dich verzweifelt darum bittet ihm Nahe zu sein. Warum du ihn so einen Kampf kämpfen lässt, obwohl du weißt, dass er verlieren wird. Warum du uns nicht unterstützt und uns zeigst, wie wir helfen können...wo hast du dich nur versteckt? Warum findet dich niemand von uns, noch nicht mal diejenigen, die täglich zu dir kommen? 

Warum nimmst du all den Frauen, die so viel durchmachen müssen, das kleine Wunder, dass sie mehr als verdient hätten?
Wie kannst du uns unseren größten Wunsch erleben lassen, um ihn uns dann wieder zu nehmen? Was für einen Sinn haben diese Geschichten und wie viel soll und kann ein Mensch so aushalten?

Bestimmt wunderst du dich doch darüber, dass einige von uns wütend auf dich sind. Erstaunt es dich nicht, dass wir nicht mehr zu dir kommen um dich um etwas zu bitten, weil wir es jahrelang umsonst versucht haben? Bist du enttäuscht, weil wir aufgegeben haben nach dir zu suchen in den dunkelsten Momenten in unserem Leben?  Waren wir nicht genug dankbar für das was wir bisher bekommen haben? Liegt es vielleicht daran? 

Ich verstehe das alles nicht. Wie kann ich auch. Ich bin ja nicht du. Ich bin überfordert. Mit mehreren Situationen gleichzeitig. Ich will dahinter schauen, damit ich Dinge annehmen kann, damit ich deine Entscheidungen verstehen kann... 
Annehmen und Hinnehmen können - das fällt in dem Fall tatsächlich schwer...
An manchen Tagen klappt das ganz gut. Das mit dem Annehmen. Auch Hinnehmen hab ich gelernt. Aber an Tagen wie heute...wo für jemanden in meinem Umkreis eine kleine Welt zusammenbricht...genau heute klappt das gar nicht.

Ich bin traurig über das was gerade um mich herum passiert. Ich weine um die verlorenen Kämpfe der Wunder, mir zerreißt es das Herz diese Berg- und Talfahrt mitzuerleben. Und dann so hilflos und traurig dazustehen. Ich bin traurig, weil ich mit ansehen muss, wie manche Menschen verlieren. Immer und immer wieder. Das macht mich manchmal so wütend. So sehr, dass ich dich Gott am Schlafittchen packen möchte und ihn zur Rede stellen möchte. Dich verklagen möchte.

Trotzdem bin ich dankbar, dass wenigstens ich gefunden habe wonach ich lange gesucht habe. Ich bin froh darüber, dass ich jemanden an meiner Seite habe, der mir die Hand hält. Bei allem. Ich bin unfassbar dankbar für die Menschen die mir begegnet sind in diesem Jahr 2014. Und ich wünsche mir sehr, dass alle die mir wichtig sind und die so unendlich traurig sind wieder nach vorne blicken können. Ich wünsche all diesen Menschen eine Hand, die die ihre hält... 

...vielleicht ist das dann eben unser Wunder oder unser Zeichen. Die Hand des Partners oder der Freundin, die gerade neben uns sitzt. Da uns ja kein Wunder in den Schoß fällt, müssen wir eben selber danach suchen. Selber Wunder entdecken und Dinge zu Wundern machen. Damit wir manches aushalten können und überleben können.
Auch wenn es so ziemlich sinnlos ist, nach dem WARUM zu fragen - ich tat es heute trotzdem. Und vermutlich tue ich es wieder...Und vielleicht bekomme ich tatsächlich irgendwann mal eine Antwort darauf.

An alle die heute mit mir traurig sind - fühlt euch von Herzen gedrückt. Ihr seid mit der Frage nach dem Warum nicht allein. Und auch wenn wir uns manchmal so verlassen fühlen, gibt es doch weingstens immer jemanden der an uns denkt...

Kommentare:

  1. Ich habe auch sehr lange und immer wieder nach dem "Warum" gefragt. Die einzige Antwort, die ich gefunden habe, lautete "Darum" - ganz und gar ohne Erklärung.
    Mittlerweile glaube ich, dass das alles irgendeinen Sinn hat. Vielleicht wollte Mund Gott mit diesem unseren Schicksal vor etwas Schlimmeren bewahren. Etwas so Schlimmes, dass wir daran vielleicht zu Gründe gegangen wären? Vielleicht ist dieses - für uns alle nicht so ersichtliche Schicksal - vielleicht sogar die bessere Wahl für uns?
    Vielleicht bereitet uns all das deres

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  2. (Ich hasse mein iPad) ... auf etwas ganz anderes vor? Etwas, dass wir ohne unser bisheriges Schicksal, nicht meistern könnten?
    Es hört sich so abgedroschen an: aber, ich glaube tatsächlich, dass es unsere Aufgabe ist, die Dinge so anzunehmen wie sie sind. Es zu hinterfragen, bringt uns nicht weiter. Leider...

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    1. Es bringt uns nicht weiter, aber trotzdem tue ich es manchmal...weil ich den berühmten Sinn verstehen möchte. Jetzt. Gleich. Sofort. Nicht erst in 20 Jahren wo man dann sagt: ah ja jetzt, jetzt weiß ich wofür es damals gut war...
      Aber - du hast schon recht....

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  3. Meine liebe Wünschi, ich hätte es nicht besser sagen können! :(

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  4. Ich weine stumm mit dir. Mit euch.

    ❤️ ❤️ ❤️

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  5. Fühl Dich ganz fest gedrückt meine liebste Wünschi ♥♥♥

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  6. Das hast du ganz zauberhaft geschrieben ♥♥♥ Es ist so schön, dass es Dich gibt!!!! Allein das ist Wunder genug!!! ♥

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  7. Es ist und bleibt einfach unfair. Und ich muss dir sagen, an Gott glaub ich schon lange nicht mehr. Warum sollte er das alles zulassen? :(
    Aber du hast einen sehr schönen Tinkerbell-Cursor, das bringt mich tatsächlich ein bisschen zum freudigen Lächeln :D
    Ich flieg jetzt mal ein paar Runden über deinen Blog. *jipieeh* :D

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    1. Viel Spaß beim fliegen liebe Spring...

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  8. Das hast du wundervoll geschrieben. Und ich kann dich so gut verstehen. Es fällt manchmal schon ziemlich schwer noch an Gott zu glauben.

    Ich habe ein kleines Notizbüchlein mit einem Foto drauf, welches Fußspuren im Sand zeigt. Der dazugehörige Text handelt davon, dass Jemand davon träumt mit Gott zusammen am Strand entlang zu gehen und auch zwei Paar Fußspuren im Sand zu sehen sind. Jedoch fragt sich die Person auch, warum sie gerade in ganz schlimmen und schwierigen Stunden bzw. Lebensabschnitten nur ein Paar Spuren im Sand sieht und sich allein gelassen fühlt. Gott antwortet, dass er die Person niemals im Stich lassen würde und immer da gewesen ist. Auf die Frage, warum da nur ein Paar Spuren im Sand zu sehen sind, antwortet er die Person nicht nur gestützt, sondern getragen zu haben.
    Der Text ist in Englisch und frei übersetzt. Jedes Mal, wenn ich diesen lese, werde ich etwas traurig. Aber es ist eine mögliche Antwort, um die Hoffnung und den Glauben nicht zu verlieren.

    Ganz liebe Grüße und morgen einen schönen 2. Adventssonntag.
    Christine

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    1. Liebe Christine,
      ja ich kenne diesen Text. Es ist tatsächlich eine mögliche Antwort...und mich macht es genauso traurig wie dich, wenn ich jemanden gehen sehe und eben nur die eine Spur...das tut mir so unendlich leid. Und in all dem Schmerz den man empfindet, fühlt man sich oft nicht getragen, sondern einfach nur allein...
      Danke für deine lieben Worte und ich wünsche dir ebenfalls einen schönen 2. Advent ♥

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