Samstag, 19. Juli 2014

Was mich heute sehr bewegt...

...ist meine Schwester. Sie hat seit vielen Jahren, also genau genommen seit ich denken kann Magersucht. 
Sie hat schon viele also sehr viele Klinikaufenthalte hinter sich und befindet sich aktuell wieder in Behandlung. Allerdings wird gerade nicht die Essstörung behandelt, sondern die Depression in die sie gefallen ist.

Die kleine Kämpfernatur hat aufgegeben. Der Blick ist leer und sogar lächeln fällt ihr schwer. Der Kopf kann das Problem mit dem Essen einfach nicht aufgeben und der Rest hat keine Lust mehr zu kämpfen. Sie kann nicht mehr und will nicht mehr. Am liebsten wäre sie nicht mehr...aber noch nicht mal das schafft sie erzählt sie immer wieder.

Drei Wochen ist sie jetzt in der Klinik und will schon wieder davon laufen. So wie sie es immer tut, wenn ihr was nicht ganz so gut gefällt. Man sagt ihr dort, sie solle lernen sich auszuhalten, die Situation auszuhalten. Und sie schafft es fast nicht. Sie fühlt sich müde und schwach, will aber dennoch am besten auf´s Laufband steigen um sich besser zu fühlen. Der Kopf möchte es so und der Körper kann es nicht mehr, sie ist einfach zu kaputt. Sie raucht wieder viel, was soll sie sonst auch den ganzen Tag machen...sie darf jedes Wochenende nach Hause, was es ihr einfach macht, denn dann kann sie wenigstens an 2 Tagen sie selbst sein. So wie sie sein will. Die Frau, die zwei Gesichter hat.

Ich habe Angst, dass sie es wieder nicht schafft. Dass sie wie beim letzten Mal davon läuft und allen erzählt, wie sie es allein genau so gut schaffen kann. Denn ich weiß, dass sie es nach 34 Jahren alleine niemals schaffen wird...Ich weiß auch, dass ich oder wir als Familie ihr nicht mehr helfen können. Ein Teil von uns hat aufgegeben, ein Teil kämpft mit ihr weiter. Wir haben über Jahre alles erdenkliche getan, vielleicht war es nicht genug? Und dennoch konnte keiner von uns sie jemals von ihrem Weg abbringen. Nicht mal für ein paar Monate. Wie schwer sich das anfühlt...

Und ich besuche sie, meine große Schwester, sie sitzt vor mir, schaut mich mit großen Augen an und sagt: "Nimm mich mit" und mein Herz zerreißt.


Kommentare:

  1. Ich bin beeindruckt wie du mit diesem Thema umgehst, vor allem wenn es innhalb der Familie stattfindet. Ich hoffe du kannst stark für sie sein und ihr mit deinen Besuchen zeigen, dass du neben ihr stehst und mit ihr gehst, was auch immer ihr Weg sein wird. Bleib stark für sie! Hört sich blöd an, wenn man selbst Probleme hat, ich weiß. Ganz liebe Grüße von Herzen sendet dir Stine

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    1. Ich bin mit dem Thema leider aufgewachsen...ich kenne sie ja nicht anders...ich danke dir für deine lieben Grüße :*

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  2. Lass dich drücken! Wenn ich könnte, würde ich dir ein paar Luftballons schicken, die dir deine Last ein wenig nehmen! Stark zu sein für andere bedeutet auch immer, die Last mitzutragen, so dass sie weniger wird, wenn sie auf vielen Schulterm verteilt wird! Kannst du diese Last auch weitergeben bzw. wer trägt denn deine Last mit dir? Puh! Ich wünsche euch viel Kraft!!! Ihr seid eine tolle Familie! Aber pass auch auf dich gut auf, ja? Man kann auch an der Last eines anderen zerbrechen :(((

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    1. Danke Pippi für die Ballons ;) Sagen wie so, wir können gut über alles reden. Der eine mal mehr mal weniger....und ja ich habe mir fest vorgenommen, nicht daran zu zerbrechen :*

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  3. Ich wünsche euch ganz viel Kraft! Es ist immer schwierig wenn es jemand ist, der einem so nah steht

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  4. Hey meine liebe, das ist echt hart. Für Deine Schwester, für Dich und für Eure Familie. Blöderweise kann ich Dir jetzt nicht schreiben "Alles wird gut"... Aber in Gedanken nehm ich Dich ganz fest in den Arm und wünsche Dir, Deiner Schwester und Deiner Familie weiterhin ganz viel Kraft. Diese Krankheit ist echt der Teufel!!

    ♥lichst Deine Kitty!!

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    1. Ja das stimmt....gut werden wird da wohl nix mehr, aber vielleicht ja besser...Aber in den Arm nehmen tut auf jeden Fall gut! :*

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  5. Hey... was soll ich jetzt dazu schreiben... ich kenne so eine Situation nicht, kann Dir also keinen Rat geben... falls man das überhaupt kann...
    Ich wünsche Euch allen ganz viel Kraft! Das ist wohl das Einzige, was ich tun kann... oder?

    Liebste Grüsse,
    Silvi

    P.S.: Passt jetzt hier nicht so ganz her, aber: Daaankeschön für Deinen Kommentar zu meinem Kommentar ;-) Deine 2 Schnurrschnuten hab ich natürlich auch schon gesehen, incl. Video ;-) einfach nur Zucker!!

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    1. Ich danke dir von Herzen. Ja das ist das Einzige und ich freu mich sehr darüber ♥

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  6. Ich kann mir gut vorstellen, dass das alles nicht einfach ist. Ich hoffe wirklich für deine Schwester, dass sie das diesmal durchhält. Ich wünsche dir und deiner Familie ganz viel Kraft.
    *fühl dich ganz fest gedrückt*
    LG carina

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    1. Danke Carinchen, ich drück dich fest zurück!

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  7. Liebste WünschDirwas, hier, bitte ein Wünschemolekül. Funktioniert wie eine Pusteblume. Nur ist das Molekül höher dosiert. Ich wünsche deiner Schwester, dass sie einen Weg findet weiterzukommen. Dass sie mutig sein wird, nicht stehen zu bleiben, sondern sich zu verändern. Und dir und deiner Familie wünsche ich Kraft. Kraft, weiter stark zu sein und sie nicht mitzunehmen. Es ist wohl wie bei jedem Kranken: Man hilft nur, indem man begreift, dass man selber machtlos ist und andere - nämlich Außenstehende - nun helfen müssen. So, und nun los: Wünsch dir was! <3

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    1. Du hast ganz recht in dem was du schreibst. Und ich bin jedesmal wirklich froh, dass es diese Außenstehenden gibt. Und danke für das Wünschemolekül :) du bist die Beste ♥

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  8. Das ist echt eine harte Sache. Schließlich will und kann man doch niemanden, den man liebt, leiden sehen und doch machtlos daneben stehen!
    Ich kann Dir nur einfach ganz viel Kraft wünschen und hoffen, dass sich alles zum Guten wendet!
    Von Herzen alles Gute und Liebe,
    Lene

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  9. Puuh, ganz schön härter Tobak. Ich wünsche dir viel Kraft. Hoffentlich weißt du, dass du letztendlich nichts an der Situation deiner Schwester ändern kannst. Sie entscheidet sich gerade für diesen Weg...

    Ich weiß das deshalb so genau, weil ich selber jahrelang an einer Magersucht litt... Ich habe mich irgendwann für das Leben entschieden. Diese Entscheidung habe ich ganz alleine getroffen.

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  10. Liebe Lisa, es ist schwer jemanden zu finden, der diesen Weg geschafft hat. Ich danke dir, dass du so offen schreibst! Ich fühle mich so machtlos und so fürchterlich hilflos an manchen Tagen. Ich habe große Angst, weil so viel Zeit vergangen ist. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, dass man nach 34 Jahren mit dieser Krankheit im Gepäck, wieder ein annähernd normales Leben führen kann. Ich würde es ihr so wünschen. Aber letztendlich ist es so wie du sagst, ich weiß, dass ich an der Situation nichts ändern kann. Das einzige was ich tun kann ist da bleiben wo ich bin...ihr die Hand geben, wenn sie es braucht und ihren Weg mit ihr gehen, wenn sie es möchte...

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