Dienstag, 29. Juli 2014

Der alltägliche Arbeitswahnsinn.

Gestern Abend. 

Teamsitzung um 20:30. Klar, damit die Spätschicht auch noch was vom Schauspiel der besonderen Art hat.

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, so bin ich immer noch mit Kopfschütteln beschäftigt.

Fakt ist wohl, wir sind zu wenig Personal. Woher die vage Vermutung? Jeder von uns hat in etwa zwischen 80 (das sind dann die 25% Teilzeitkräfte)und 300 (unsere Vollzeitkräfte) Überstunden. Ich selber bin seit ein paar Monaten konstant bei ca. 140 und arbeite 80%. Dann bekomme ich mal wieder einen Tag Überstundenfrei. Kann mich aber darauf verlassen, dass in meinem nächsten Frei das Telefon klingelt und ich wieder einen zusätzlichen Dienst machen soll. Das ganze (als Teilzeitkraft) selbstverständlich ohne Überstundenzuschlag. 

Die Frage aller Fragen, die hitzige Diskussionen hervorrief: Was läuft schief? In den Sommermonaten, in Zeiten des Examens, ersetzen Schüler eine Vollkraft. ?. Ernsthaft. Wir haben uns gestern vehement dagegen gewehrt. Und als Antwort (in einem überaus rotzigen Ton) bekamen wir zu hören, dass sehr wohl ein Schüler im 3. Ausbildungsjahr einen Bereich mit 8 bis 10 Patienten übernehmen kann...Unser Argument: Schüler ist Schüler. Ohne Examen in der Tasche. Bis September. Das ist nun mal so. Wer ist verantwortlich für den Schüler? Ach dann wohl ich, die selber einen Bereich von 12 Patienten zu versorgen hat. Ja ne, is klar!
Also: trotz Schüler, die uns ein paar Überstundenfreie Tage bescheren sollten, schaffen wir es nicht von unseren Stunden runter zu kommen. ????. Ich komme nicht mehr mit...

Ende vom Lied: "Na bitte, dann überarbeite ich halt den Augustplan und dann bekommt jeder von euch halt noch zusätzlich drei kurze Dienste reingedrückt. Wollt ihr das?"
Somit ändert sich am 28. Juli nochmal mein gesamter Dienstplan für den Monat August. 

Buhuuuuuuuuuuuuu. 

Und überhaupt, wir die alte Motzstation würden ja nie irgendwas annehmen. (Wir haben ja nur schon 380 Dinge die uns aufgetragen wurden umgesetzt). Immer müsse sie vorher im Team fragen, sie kann nichts einfach so entscheiden und sagen so wird das ab heute gemacht. ??. (Achso ich dachte wir SIND ein Team). Und bei der letzten Entscheidung des Tages frage sie nicht mehr, es wird einfach so entschieden, sie ist 30 Jahre lang in einem anderen Haus gut damit gefahren, so muss es hier auch sein. Basta. (Lächeln unsererseits). Aufstehen ihrerseits. Ups. Tolle Stimmung.

Die Stitzung war um 23:45 beendet. Die richtige Zeit um offline zu gehen...da ich leider noch eine halbe Stunde im Auto sitze, bis ich zuhause bin, hatte ich Zeit über alles nochmal nachzudenken. Ich überlege mir sogar, ob ich nicht aus lauter Verzweiflung wegen des Nichtschlafenkönnens, noch irgendwas umräumen soll, lasse es aber denn inzwischen ist es ja schon fast halb eins...mein Hase hat sich schon lang ins Bett gekuschelt und die Katzentiere drücken auch die Äuglein zu in der Hoffnung nicht bekuschelt zu werden. 

Und jetzt?

Ich überlege schon lange. Seeeeehr lange. Jetzt steh ich wieder vor der Situation: Aushalten? Wir starten nochmal, möglicherweise verabschiede ich mich in den Mutterschutz, so wie die vielen Ladies vor mir auch? Dann wäre es ja wirklich dumm zu wechseln. Hey das ganze geht jetzt schon 4 Jahre so...Klar, wechsel mal den Job und fall dann gleich mal unter Überstimmulationsumständen zwei Wochen aus wegen ner ICSI. Kommt bestimmt gut! Ist doch eine wirklich doofe Situation nicht wahr?

Was würde sich woanders ändern? Ist es in anderen Häusern besser? Wohl kaum...(ja liebe B. ich weiß, was du mir von der Schweiz aus sagen willst ;) ) Mensch ich brauch ne Idee...ich würde super gern mit Tieren was machen. Wegen mir mit Blumen. Ich dekoriere sehr gern und kann gut mit Menschen. (Überwiegend). Wer nimmt mich einfach so? Ohne passende Ausbildung? Lohnt es sich wirklich nochmal ne Ausbildung oben drauf zu setzen - Leute ich bin 35 34. Und ja es hört sich memmenhaft an, aber ich bin müde. Ich habe eine lange Reise hinter mir, ich möchte endlich wo ankommen. Wenn es nicht das Familienleben sein soll, dann wenigstens in einem tollen Job. Fällt mir auch nicht in den Schoß oder? Jajajajajaa ich weiß...

Nun gut. Es musste mal beschrieben werden. Mein alltägliches Drama im Job. Welcher, das behaupte ich nach wie vor, eigentlich ein schöner wäre. Nur nicht mehr zu diesen Bedingungen. Und das ist echt schade und beschert mir heute an diesem wolkenverhangenen Dienstag schlechte, sehr sehr schlechte Laune ;)

Nachtrag zum Dienstag den Gräßlichen: 
Es klingelt es an der Tür, zwei Männer die ein Kabel von Kabel Deutschland reparieren müssen, sagen mir ich solle mein Auto vom Stellplatz runterfahren. Denn der Gehweg muss aufgerissen werden. :0. Ja man erinnert sich an die schönen Gartenbilder, den schönen neuen Stellplatz - und jetzt kommen die daher (selbstverständlich ohne uns vorher zu informieren) und reißen den Weg weg. Unsere Betoneinfassung. Alles weg. Und weil der Fehler nicht an der Stelle war an dem sie vermuteten, rissen sie einfach noch weiter auf. Ist das zu fassen? Die Randsteine unseres Stellplatzes hängen auf halb acht, aber wir sollen uns eher nicht aufregen, denn sie würden schon alles wieder so machen wie es war. Na dann...

Kommentare:

  1. Liebste Wünschdirwas, was für ein beschissener Start in diese Woche. Die Bauarbeiten heute würden mir auch den Rest geben.
    Aaaaaaaber, ja, es gibt ein aaaaber:
    Ich möchte dir mal etwas sagen. Du bist zu nichts zu alt. Erst recht ist man nie nie niemals nie zu alt, um glücklich zu werden. Auch oder gerade im Beruf. Wenn man bedenkt, wieviel Zeit unseres Lebens wir dort verbringen..ach, wenn man kann sollte man immer die Option suchen, um dort auch glücklich zu werden. Klingt easy, ich weiß. Aber es ist ein erster Schritt, oder vielmehr es kann ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Wenn du akzeptierst und für dich lebst, dass es dein oberstes Ziel ist nach Glück zu streben, dann wird das einfach so gemacht. Bewirb dich in einem Dekoladen. Es gibt doch soooo tolle, besondere davon. Wenn es klappt, kündigst du. Beginne eine Ausbildung zur Floristin. Mittlerweile würde ich eher sagen: Florale Künstlerin. Denn was die Ladys da regelmäßig zaubern, ist schlichtweg KUNST. Und vor allem: Kunst, die auch immer geschätzt wird. Ich weiß, dass du in einem Knochenjob gerade unterwegs bist. Und es gibt so viele Menschen, denen das Umfeld nach Jahren diesen Beruf leider verdirbt. Denn eigentlich ist es nur bewundernswert und bemerkenswert, wenn sich jemand für diese Tätigkeit aufopfert. Denn das macht ihr zweifelsohne. Lass dir dein Leben nicht von solchen Schranken, wie: "Du bist zu alt für Dies und Das. Du kannst doch jetzt nicht einfach was Anderes machen" vermiesen. Antworte dann einfach:"Wie kann es zu spät sein für sein Glück zu kämpfen?" Übe das vielleicht erstmal vor dem Spiegel. Wenn du es dir selber ins Gesicht sagen kannst, dann stimmt das auch. Ganz sicher.
    Wie auch immer: Ich finde dich toll. Und bewundere dich für deine Hingabe.

    Deine Penny, die jetzt ganz ganz bald auch aus der 34 ne unverschämte 35 macht. Wääääääh!

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    1. Die Baustelle - paahhhh ich darf gar nicht dran denken! Zum Thema sie machen alles so wie es war: die äußeren Steine sind jetzt schräg...
      Du hast schon recht, ändern kann man immer was und soll man auch wenn man nicht mehr glücklich ist. Ich bin eher so der Sicherheitstyp. Erst mal alles abchecken bevor ich ins kalte Wasser springe, weil ich könnte ja ertrinken, denn schwimmen kann ich nicht so gut. Im Pool wo ich jetzt bin schwimm ich super, aber eben nur im Kreis.
      Danke liebe Penny für deine lieben Worte bezüglich meines jetzigen Jobs...du bist süß!
      Was die 35 angeht...womöglich sind wir auch noch das gleiche Sternzeichen wenn du von ganz ganz bald sprichst ;)

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  2. Ich kann mal wieder sagen: Dieser Post hätte auch von mir sein können. Will sagen: Ich verstehe dich sooo gut und befinde mich in ähnlicher Situation, wenn auch anderer Job. Ich fühle mich dir, mal wieder, sehr nahe :)

    Ich will einen anderen Job, ein paar Ideen hätte ich definitiv. Nur krieg ich irgendwie meinen Arsch nicht hoch. Verdammte Axt.

    Aber weißt du was: Wir schaffen das schon! Ganz sicher!

    Dicker Knutscher <3

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    1. Ja gell - irgendwie sind wir vielleicht auch nicht mutig genug...also ich zumindest...das ärgert mich. Weil ich soooo ein Angsthase bin. Maaaaaaaaannnnn.

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  3. Oh Mann, das ist ja wirklich eine bescheidene Situation.
    Natürlich ist es immer doof, den Job zu wechseln während der Kinderwunschbehandlungen, weil es die Sache erst mal nicht einfacher macht. Aber auch ich sehe es so, dass es nicht die bessere Option ist, dort zu bleiben, wo man so unglücklich ist. Denn nun läuft es ja auch alles andere als einfach. Vielleicht ist gerade jetzt der Punkt gekommen, wo es Zeit für eine Umorientierung ist?
    Egal, wie Du Dich entscheidest, ich wünsche Dir viel Glück auf Deinem Weg!
    Alles Liebe, Lene

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  4. Guten Morgen, ich habe gestern gerade einen Artikel gelesen über Überstunden. Wusstest du, dass sie vergütet werden müssen? Lediglich 10% "sind mit dem Grundgehalt abgegolten". Lies ihn dir mal durch: http://www.haufe.de/personal/arbeitsrecht/Anspruch-auf-Ueberstundenverguetung-bei-Duldung-durch-den-Arbeitgeber_76_266184.html?ecmId=14460&ecmUid=3524900&chorid=00511427&newsletter=news%2FPortal-Newsletter%2FPersonal%2F50%2F00511427%2F2014-07-29%2FTop-News-Anspruch-auf-Ueberstundenverguetung-bei-Duldung-durch-den-Arbeitgeber

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