Donnerstag, 13. Februar 2014

Ist es gut offen zu sein???

Ich habe damals nach meiner ersten ICSI mit meinem Chef gesprochen...
In der Stimulation lief alles super, für die Punktion ließ ich mir eine kleine ambulante Gyn-OP einfallen und dachte, wenn du dich zwei Tage ausruhst gehts schon wieder. Nur die Überstimulation war nicht geplant. Da saß ich nun mit meinem 6-Monatsbauch und mir war klar, wenn du so arbeiten gehst weiß ja mal jeder gleich bescheid. Zudem gings mir in der Zeit von Tag zu Tag schlechter, ich schlief im Sitzen und musste dann sowieso eine Woche stationär ins Krankenhaus.

Also - tausend Gedankengänge später - tausend Gespräche mit meinem Mann später, weil ich es hasse unehrlich zu sein, rief ich nochmal bei meinem Chef an, erzählte ihm, dass ich leider die nächsten 2 Wochen ausfallen werde, da ich krankgeschrieben sei. Und höre mich sagen: Und es tut mir leid, ich wollte erst nichts sagen, aber da ich jetzt so lange ausfalle blablabla es war keine Gyn-OP sondern eine künstliche Befruchtung. 
Ich wollte einfach eine Begründung für meine Fehlzeiten geben (ich weiß, dass ich das nicht machen muss), ich wollte Verständnis dafür bekommen, ich arbeite in einem sozialen Beruf, der vollgestopft sein sollte mit Nächstenliebe und Mitgefühl, da bin ich einfach davon ausgegangen, dass wir alle mit dem Thema sensibel umgehen können.

Er reagierte auch recht verständnisvoll, ich war erleichtert und auf der Arbeit wussten es somit mein Chef, und vier meiner allerliebsten Kollegen.

Während der Kryoversuche war ich eigentlich immer arbeiten, außer am Transfertag, weil ich den ja immer in Narkose bekomme. Meistens allerdings hatte ich da sowieso gerade frei. Bei der 2. ICSI ließ ich mich wieder krankschreiben, allerdings nur ein paar Tage, weil die Warteschleife in meinen Urlaub fiel. Mein Bauch war diesmal zwar nicht mehr im 6. Monat aber vielleicht Ende 4.
Jetzt, für meine momentan letzte Kryo, bot mir meine Hausärztin an mich krankzuschreiben. Also, ich zu meinem Chef - von dann bis dann bin ich voraussichtlich krank (ich konnte es wegen dem Transfer und dem Zyklus, der mir etwas quer kam nicht genauer sagen). Was sagt er neulich in fröhlicher Runde: Achja für nächste Woche müssen wir noch Ersatz finden. Natürlich alle: Hä? Für wen, wer fehlt? Es gibt doch grad keine Krankmeldung? Er: Das kann ich noch nicht sagen! 

Ohne Worte...


Ich arbeite seit einiger Zeit nur noch 80% und hab dadurch immer mal länger am Stück frei. Daher war ich bei der Geschichte leider nicht anwesend. Nach langem nachfragen seitens der Kollegen dann: ich sei es die fehlt...alles klar. Vielen Dank für´s Gespräch.
Seither wird fröhlich gemutmaßt, dass ich bestimmt schwanger sei, irgendjemand hätte gehört, ich ließe mich halt wieder mal künstlich befruchten, und da ja die Schwangerschaft bei uns im Team grade um sich greift, passt das ja alles herrlich zusammen nicht? 

Eigentlich wollte ich anfangs das Thema auf der Arbeit komplett rauslassen, weil ich immer dachte, es geht niemanden etwas an. Die vielen Fragen die verletzten, die vielen Schwangeren, bei denen du nie dabei bist. Ich hatte keine Lust mehr auf Blicke, Getratsche...ach was, dann dachte ich mir: was soll´s! Etwa jedes 6. Paar hat Probleme beim Kinderkriegen, ja ich bin eins davon, und? Dann bin ich eben anders und passe nicht ins Heiraten-Kinderkriegen-Schema...so sind wir eben! Der Sinneswandel hat natürlich Folgen. Tja jetzt bin ich enttäuscht, weil es eben doch nicht so einfach ist offen damit umzugehen. Es wäre vielleicht doch einfacher gewesen, sich immer wieder neue Begründungen für 
Fehltage einfallen zu lassen.

Außerdem - ich werde dieses Jahr 35, bin seit fast 2,5 Jahren verheiratet und wer mich kennt weiß, dass wir natürlich nicht abgeneigt Kindern gegenüber sind. Wer dann noch eins und eins zusammen zählen kann, dem ist es doch sowieso klar oder?

Jetzt ist es sowieso zu spät, dieses "Krank" hat wohl einiges ins Rollen gebracht wie ich höre... ich ringe nur noch mit mir, wie ich damit umgehen soll. Cool bleiben? Sagen, dass ich nicht darüber reden möchte? Selber hab ich dieses Schlamassel losgetreten, selber hab ich mich dazu entschlossen offen zu sein. Ich habe jetzt ein langes sowieso geplantes Frei und mit meiner Krankschreibung fehle ich dann knapp 3 Wochen. Hurra, wenn ich wieder komme...
Bisher habe ich es so gehandhabt: wer mich direkt drauf anspricht, der bekommt eine Antwort. Heißt ja nicht, dass ich Hinz und Kunz die gesamte Geschichte ins Knie drücke, nein nur eben: Ja es stimmt, wir können leider keine Kinder kriegen. Meistens hat sich´s auch damit erledigt. Es fragen sowieso nur sehr wenige genauer nach. Die, die Interesse an mir haben und nicht nur ganz vorne in der Runde sitzen und tratschen als würden sie alles über mich und meine Geschichte wissen, die, die mich besser kennen fragen nach, nicht die, die es vielleicht gern täten oder denen es einfach egal ist - Hauptsache: ich hab was darüber gehört!!! Fragt mich!!! 

Gemein fand ich trotzdem die Sache mit meinem Chef, ich hätte auf mehr Verständnis und Diskretion von seiner Seite gehofft. Aber klar - was hoffe ich auf Verständnis von jemandem, der in die Welt hinausposaunt, dass er schon an Baby Nummer 2 arbeitet, während das erste grade mal ein Jahr alt wird...

*Doing* mal wieder ans Hirn gekloppt liebe Wünsch dir was, wie gutgläubig, ehrlich wollt sie sein, mal wieder steht sie da als Dummerchen...hätt ich bloß mal einmal mehr die Fresse gehalten. Es ist halt doch wie überall, wo viele Frauen miteinander arbeiten (mit Ausnahme zweier Männern), was will ich auf Verständnis und Mitgefühl hoffen? Ein Haufen voller Zicken und Tratschweiber - nichts anderes...da ist auch mein Team leider nichts besonderes...ist es gut offen zu sein? Jein. Ja, wir sind nicht allein mit dem Problem, vielleicht bringt man die ein oder andere Sichtweise ein, dass eben nicht alle einfach poppen und schwupps sind sie schwanger. Und wenn es bloß blöde Fragen sind, die dadurch uns oder jemand anderem erspart bleiben, vielleicht geht es anderen genauso... und weil es kein Thema ist wofür wir uns schämen müssen. Wir haben uns den Weg nicht freiwillig ausgesucht. Er ist nun Bestandteil unseres Lebensweges. Er gehört zu meinem Alltag mit dazu...er begleitet mich überall hin, ich kann ihn nicht einfach eine Umleitung laufen, am Ende komme ich sowieso immer wieder auf den gleichen Weg. Nämlich unseren. 

Und nein, weil man sich einen Haufen Ärger, Gequatsche, graue Haare, Verletzungen und Magenschmerzen ersparen könnte und weil einfach zu viele Menschen mit dem Wort Privatsphäre nichts anfangen können.






Kommentare:

  1. Liebe wünsch dir was,

    ich weiß genau wovon du sprichst. Als ich letztes Jahr krank geschrieben war und keiner wusste warum gingen die Vermutungen auch los. Ergebnis: Ich sei garantiert schwanger, eine Kollegin hat ihre Vermutung sogar gleich beim Betriebsrat kund getan und angemerkt dass sie dann gerne ihre Arbeitszeit aufstocken möchte. Bei den IUI's hatte ich jedes Mal eine Krankmeldung von meiner Hausärztin, ich hatte sie damals gefragt, ihr gesagt dass ich nicht möchte dass die das auf der Arbeit wissen und sie hat mir diese ohne zu zögern ausgestellt.

    Ich für meinen Teil habe auf der Arbeit niemandem etwas davon gesagt, schlicht weil ich weiß dass mein Chef seine Klappe eh nie halten kann und zweitens weil es unter Kolleginnen so ist wie du sagst: Nur stutenbissigkeit. Schrecklich, da reicht es mir schon wenn ich dann nur mitkriege was hintenrum getratscht wird.

    Ob das letztendlich besser ist oder nicht kann ich dir nicht sagen, gemutmaßt wird so oder so. Wirklich schlimm.

    Liebe Grüße

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    1. Liebe J.B., das mit dem Betriebsrat ist ja auch mal ein Knaller...unglaublich! Hintenrum ist wirklich schlimm und egal wie man sich entscheidet ob offen oder nicht - getratscht wird immer. Eigentlich klar oder? Ich dachte nur eben, bei so einem eher sensiblen Thema sei das anders...schön blöd...;)

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  2. Liebe Wünsch dir was,
    ich kann deinen Kummer verstehen.
    Auch ich habe lange überlegt, ob ich es auf der Arbeit sage.
    Hab mich dagegen entschieden.
    Aber es fällt mir wahnsinnig schwer zu lügen
    und andere Krankheiten vorzuschieben.

    Hoffe du kommst bald besser mit der Situation klar.
    Manchmal hilft nur " am A**** vorbei" denken.
    Vielleicht hast du mit deiner Offenheit dazu beigetragen,
    dass das Thema nicht totgeschwiegen wird.

    Alles Liebe für dich!
    ♥ LIlly

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    1. Liebe Lilly, du hast schon recht, eigentlich sollte es einem am A**** vorbeigehen...
      Es wäre schön, wenn wir uns über das Thema nicht totschweigen, denn wie man dann doch so erfährt geht es wirklich vielen so. Eine Kollegin kam auf mich zu, weil sie so verletzt war, weil unsere schwangere sie immer dumm von der Seite angemacht hat...jetzt stehen wir immerhin schon zu zweit auf der "anderen" Seite...zu zweit ist man weniger allein ;) dafür war´s schon mal gut...

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  3. carinakuga8713.02.14, 15:04

    Hallo, ich kann dich verstehen und kenne das, wenn die Arbeitskollegen hinten rum über einen sprechen, bezüglich ist sie schwanger oder das ist bestimmte die nächste die Schwanger wird, da denk ich mir immer, können die sich vielleicht um ihren eigenen Kram kümmern, klar gibt es auch Kolleginnen die sich wirklich sorgen um einen machen, wenn es einen nicht gut geht, aber das sind nur die Ausnahmen. Ist echt sch****! Und aus diesen Grund hab ich mich dagegen entschieden auf der Arbeit etwas darüber zu erzählen, obwohl ich denke, dass meine Chefin, das nicht in die Runde sagen würde, aber man kann sich auch täuschen und das Risiko ist mir zu hoch, dass dann noch mehr getratscht wird als sowieso schon, also weiter krankschreiben lassen und ein bisschen Lügen.
    Aber sieh mal, vielleicht hast du ganz viel Glück und du bist bereits schwanger. Ich wünsch es dir so sehr!
    Liebe Grüße Carina

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    1. Liebe Carina, es ist wirklich fies, dass es uns irgendwie allen so geht.
      Ich danke dir für deine Wünsche...das ist sehr lieb von dir!

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  4. Hallo wünschdirwas,

    Auch ich habe mit mir gekämpft. Aber irgendwann waren mir die ganzen Lügen und Geschichten einfach zu blöd und ich hab's meinem Chef erzählt. Ich muss dazu sagen, dass wir uns schon lange kennen und er nur zwei Jahre älter ist. Also habe ich eines Abends seine Schulter vollgeheult.

    Es war mir eine große Erleichterung, nicht mehr Lügen zu müssen. Allerdings hat sich das bei der nächsten Gehaltsverhandlung etwas negativ ausgewirkt. Aber was soll's. Mir gehts trotzdem besser.

    Liebe Grüsse
    Hanni

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