Montag, 4. November 2013

Absturz

Heute bin ich echt abgestürzt. Gott sei Dank erst zuhause. Eine Kollegin von mir hat am Freitag ihr Baby bekommen. Für mich das erste "reale" künstlich befruchtete Baby. Dessen Bild ich schon auf dem Heimweg immerzu anstarren musste, weil ich es einfach unfassbar finde, dass am Ende so einer Reise doch mal tatsächlich ein Baby dabei raus kommt.

Ich hatte mich vor einiger Zeit mit eben selbiger Kollegin getroffen, einfach um uns auszutauschen. Sie hat mir von ihrem Weg erzählt von der vielen Angst um das Baby, welches mittels ICSI letztendlich entstanden ist. Es war ihr erster Versuch. Es hat gleich geklappt. Und jetzt ist er da, der kleine Zwerg. 

Als ich das Bild so betrachtete, konnte ich gar nichts machen, ich musste immer wieder Tränchen verdrücken. Den ganzen scheiß Heimweg lang. Es tat so fest weh, dass ich gar nicht wusste wohin mit all dem Schmerz der in dem Moment in meinem Herzen saß.

Gut, dass mein Mann in der gleichen Schicht gearbeitet hat wie ich, so konnte er mich wenigstens einfach nur festhalten. Es ist seelische Grausamkeit, wenn man fühlt, dass man es nicht mehr unter Kontrolle hat. Ich weine, weil ich so eine große Enttäuschung in mir spüre, weil ich spüre wie ich es nicht glauben kann, dass sie beim allerersten Versuch gleich so ein großes Wunder erfahren durfte. Ich weine, weil ich bemerke, wie schwierig das alles noch werden wird. Und weil ich merke, dass ich es ihr von Herzen gönne, aber doch auch nur einmal einen einzigen Glückstreffer haben möchte. Ich weine darüber, weil ich merke, wie ein fieses Gefühl in mir hochkriecht und wie ich versuche dagegen anzukämpfen und verliere. Im Moment zumindest gerade. 

Wir haben miteinander geredet und es macht mich so traurig, dass er eigentlich keine Hoffnung mehr hat. Er glaubt nicht mehr daran, dass es funktioniert. Ich hab ihm gesagt, dass er den drei Krümelchen doch wenigstens noch ne Chance geben muss. Er tut es - mir zu liebe. So wie er so viel für mich tut, wofür ich so unendlich dankbar bin. Es tut mir unglaublich weh, dass wir irgendwie kurz vor dem Ende in dieser Geschichte stehen. 

Ich weiß, dass er mich in allem unterstützt, ich weiß auch, dass er mit mir weitergehen würde, wenn ich es wollen würde. Vielleicht hat er irgendwann wieder Hoffnung. Vielleicht wenn wir ein wenig Abstand haben, wenn wir wieder neue Kraft gesammelt haben...Nur wie weit will ich noch gehen? Auf der einen Seite dieser riesige Wunsch - unsere eigene Familie. Auf der anderen Seite der Wunsch, nicht an diesem einen Wunsch kaputt zu gehen. Ich steh kurz vor einer Kreuzung und weiß einfach den Weg nicht recht. Eine Straße geh ich noch weiter aber dann? Ich hoffe, dass es an der Kreuzung Wegweiser für mich gibt, welche die ich auch lesen kann. Und dass ich dann die richtige Richtung einschlage, die für uns beide richtige Richtung. 

Kommentare:

  1. Oje... Zusammenbruch. Solche Momente sind immer gut, um Entscheidungen zu treffen....seine Situation zu überdenken. Es kann euch leider niemand die Entscheidung abnehmen, ihr müsst selbst entscheiden, wie weit ihr gehen wollt. Denke dran, dass es eine gemeinsame Entscheidung sein soll. Ich verstehe die Angst, die dein Mann hat...ich verstehe auch dich, wenn du sagst, du bewegst dich aufs Ende zu. Wenn ich dir sage, du bist noch lange nicht am Ende eures Weges angelangt, glaubst du mir dann? Gönne dir eine Pause und lauff noch ein paar Blocks weiter. Gib nicht auf, das ist zu früh. Aber wie gesagt, diese Entscheidung kann euch leider niemand abnehmen.
    Drück dich
    Hanni

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  2. Danke Hanni für deine immer lieben und ehrlichen Worte, es bedeutet mir sehr viel, wenn jemand zuhört und mich versucht zu verstehen. Danke dafür :-*
    Drück dich fest zurück!

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